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Wo Milch und Honig fließen
Bild: Pollydot auf Pixabay

Wo Milch und Honig fließen

Daniel Stehling
Ein Beitrag von

Daniel Stehling,

Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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Mit hängenden Armen, müde und abgeschlafft. So schlurfe ich am späten Nachmittag nach einem anstrengenden Tag durch den Schulflur. Kurz bevor ich den Ausgang erreiche, fällt mir auf: Es riecht anders als sonst. Aus dem Schulkeller kommt mir ein lieblicher, angenehm fruchtiger Duft entgegen. Ich nehme einige tiefe Atemzüge. Rieche ganz intensiv. Wie gut es riecht.

Und so steuere ich die Kellertreppe an. Gehe hinunter in unseren Schulkeller. Der Duft wird immer intensiver. Ich erreiche den Werkraum. Klopfe an und öffne die Tür. „Hallo Herr Stehling!“, ruft mir Paul aus meiner 10. Klasse entgegen. Paul steht mit Valentin und einer ganzen Schar Unterstufenschülern um einen großen Topf herum. „Was macht ihr denn so spät noch hier?“, frage ich irritiert. „Wir machen heute mit der Imkerei AG Bienenwachskerzen“, strahlt mich Valentin an.

Das passt ja gut zum heutigen Weltbienentag. Und es wird mir klar, warum es bis ins Treppenhaus der Schule so gut riecht. Die Schüler schmelzen das Wachs der schuleigenen Bienen ein und gießen daraus Kerzen. Ich rieche nochmals ganz intensiv. Was für ein herrlicher Duft nach Honig. Süß und fruchtig. Noch während ich den Duft genieße, schlägt der Religionslehrer in mir durch und mir kommt die Bibel in den Sinn. Das Land, wo Milch und Honig fließen – so wird im Alten Testament das von Gott für das Volk Israel verheißene Land doch immer genannt.

„Das Land, wo Milch und Honig fließen“. Ein toller symbolischer Name, der deutlich machen will: Gott schenkt seinem Volk alles in Hülle und Fülle, im Überfluss. Und dann wird mir klar, dass die Schüler hier etwas ganz Wichtiges tun. Denn Bienen sind für die Bestäubung, für Artenvielfalt und letztendlich für unser menschliches Leben wichtig.

Darüber hinaus können wir durch den Fleiß der Bienen und der Imker etwas von der Bibel ganz konkret, an unserem eigenen Leib erfahren: Nämlich was gemeint ist, wenn Gott seinem Volk ein Land schenkt, in dem Milch und Honig fließen. „Ein ganz herzliches Dankeschön für euren tollen Einsatz für Gottes Schöpfung und für uns!“, sage ich zu den Schülern der Imkerei-AG. Und am heutigen Weltbienentag sage ich dies allen Imkerinnen und Imkern.

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