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Erben
Bild: Achim_Scholty_pixabay

Erben

Bettina Pawlik
Ein Beitrag von Bettina Pawlik, Katholische Gemeindereferentin im Ruhestand
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Vor 73 Jahren hat mein Großvater für seine Familie ein kleines Haus gebaut. Das war kurz nach dem 2. Weltkrieg und mein Großvater hatte nicht viel Geld. So hat er das meiste selbst gemacht. Ich bin ihm heute noch sehr dankbar dafür, denn so habe ich heute eine schöne Wohnung. Auch meine Eltern haben bis zu ihrem Tod in diesem Haus gewohnt.

Erwirb das Erbe deiner Vorfahren, um es zu besitzen

Ich kann mich noch gut erinnern: Meine Eltern haben viel Geld in dieses Haus gesteckt, umgebaut, eine Heizung eingebaut, Fenster erneuert. Auch ich habe in den letzten Jahren viel investiert, damit das Haus erhalten bleibt und ich gut darin wohnen kann. Mit meinem Vater habe ich viel darüber gesprochen und er hat zu mir einmal gesagt: „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“ Dieses Zitat aus dem „Faust“ von Goethe habe ich nun am eigenen Leib erfahren. Ein Erbe fällt einem nicht einfach nur so zu. Ich musste viel tun, um es auch wirklich zu besitzen.

Auch für den Erhalt der Demokratie müssen wir uns aktiv einsetzen

In der letzten Zeit wird in unserer Gesellschaft über die Demokratie gesprochen und auch gestritten. Wer wie ich im Wirtschaftswunder aufgewachsen ist, der hat gedacht, die Demokratie gehört zu unserem Leben und ist selbstverständlich. Jetzt wachen wir erschrocken auf und merken: Wir haben unsere Staatsform nicht einfach so geerbt, wir müssen etwas tun, damit sie erhalten bleibt: Auf die Straße gehen, demonstrieren, uns in verschiedenen Bereichen in Politik und Gesellschaft engagieren. Sonst geht sie uns verloren, die Demokratie.

Lebe es und gib es weiter, damit es nicht stirbt

Auch in anderen Lebensbereichen ist das so. Als ich ein Kind war, gehörten Religion, Glaube und Kirche einfach zum Leben dazu. Der Pfarrer war ein guter Bekannter, der am Ostersonntag zum Segen „Urbi et Orbi“ zu uns kam. Ich war im Kirchenchor und in der katholischen Jugend und sonntags konnte ich meine Freunde im Gottesdienst treffen. Auch das ist schon lange nicht mehr selbstverständlich. Die Menschen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen, sind ein kleines Häuflein geworden. Ich denke, hier müsste man den Satz des Dr. Faust etwas abwandeln: „Was du ererbt von deinen Vätern, lebe es und gib es weiter, damit es nicht stirbt.“

Mein Glaube ist ein großer Schatz

Ich habe mit dem Glauben an Gott einen großen Schatz von meinen Eltern und Vorfahren bekommen. Und ich will alles tun, um ihn am Leben zu erhalten.

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