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Halloween und Reformation
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Halloween und Reformation

Eva Reuter
Ein Beitrag von Eva Reuter, Katholische Pastoralreferentin, Betriebsseelsorge im Bistum Mainz / Regionalstelle Rheinhessen
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Grinsende Kürbisse, mit Spinnweben behangene Skelette – die gehören in den letzten Jahren eindeutig zum 31. Oktober dazu. Es ist ja immer mehr Brauch geworden, auch bei uns in Deutschland „Halloween“ zu feiern.

Was mir an Halloween gefällt: die Freude über ausgefallene Dekorationen und das gemeinsame Feiern. Ganz klar: Gerade in grauen Tagen kann das guttun! 

Gott vergibt alle Schuld

Aus christlicher Perspektive hab ich da allerdings so meine Anfragen an die Feier mit den Gespenstern. Als Christin glaube ich: Jesus Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung die Macht des Todes gebrochen. Und ich glaube: Gott vergibt alle Schuld; niemand muss wegen seiner Sünden ruhelos über die Erde geistern.

Aber nun gut: In der langen Tradition des Festes haben sich unterschiedliche Feste aus vorchristlicher Zeit mit unterschiedlichen Traditionen vermischt. „All-Hallows-Eve“ ist eigentlich der Vorabend zum Fest Allerheiligen. Davon ist heute nur noch die Party übrig. 

Nach dem Tod direkt in den Himmel 

Was mir am heutigen Tag auch als Katholikin wichtig ist: das Gedenken an den Reformationstag. 1517 hat Martin Luther seine berühmten Thesen veröffentlicht. Luther wollte mit diesen 95 Thesen Widerspruch einlegen, gegen den Handel mit päpstlichen Ablassbriefen. Sie wurden den Gläubigen verkauft mit dem Versprechen, nach dem Tod direkt in den Himmel zu kommen.

Martin Luther war davon überzeugt: Erlösung findet der Mensch allein durch die Gnade Gottes. Und nur wenn der Mensch sich seiner Sünden bewusst ist und ehrlichen Herzens Buße tut, kommt er in den Himmel. Ablasszahlungen waren dabei nach Luthers Auffassung nur nützlich für den Papst. 

"Ich kann nicht anders"

Ich denke: Die vielen Konflikte bis hin zu blutigen Auseinandersetzungen über Jahrhunderte hat Luther nicht gewollt. Ich bin überzeugt davon: Es ging ihm darum, die Bibel mehr als Buch des Lebens zu verstehen. Er wollte allen Menschen verkünden: Jeder Mensch ist von Gott geliebt und: Gott vergibt alle Schuld, wenn jemand seine Fehler einsieht.

Das war Martin Luther so wichtig, dass er dafür viel unternommen hat: Er hat die Bibel übersetzt, hat seine Forschung erklärt und sich auch von Mächtigen nicht einschüchtern lassen. Auf dem Reichstag zu Worms sollte er seine Thesen zurückziehen. Er hat sich geweigert und soll gesagt haben: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ 

Diese mutigen Menschen feiere ich

So wurde Martin Luther zum Reformator. Reformieren heißt ja wörtlich: Etwas in eine neue Form bringen. Ich sehe heute viele Menschen in unterschiedlichen Konfessionen als Reformatorinnen und Reformatoren: Frauen und Männer, die sich in Politik und Gesellschaft für christliche Werte einsetzen. Theologinnen und Theologen, die immer neu darum ringen, die Regeln der Kirche so zu formulieren, dass sie dem Leben dienen. Gläubige, die im Alltag von ihrem Glauben sprechen und danach handeln.

Sie alle sind Reformatorinnen und Reformatoren: Sie bringen die frohe Botschaft in eine neue Form, damit sie viele Menschen erreicht. Diese mutigen Menschen feiere ich heute!

 

 

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