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Freundschaft mit Gott?
Bild: pexels / Nicole Michalou

Freundschaft mit Gott?

Jens Haupt
Ein Beitrag von Jens Haupt, Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Silvester habe ich mit Freunden gefeiert. Ein schöner Abend, sehr lustig und gegen Mitternacht auch nachdenklich. Natürlich haben wir uns fürs neue Jahr alles Gute gewünscht. Und wir haben auf das eine oder andere zurückgeschaut.

Gedanken an Silvester mit Freunden teilen

Die Lage in der Welt: Ein Krieg, nein, viele Kriege, nur manche eben nicht so nah wie in der Ukraine. Erfahrungen mit Corona. Die Heizkosten, Lebensmittelpreise, Klimafrage. Irgendwie ist vieles wacklig. Es tut gut, solche nachdenklichen Silvestergedanken mit Freunden zu teilen. Überhaupt Freunde zu haben, die mir im vergangenen Jahr zur Seite standen, wenn ich sie gebraucht habe. Dafür bin ich dankbar.

Kann ich auch Gott als Freund bezeichnen?

Und es waren nicht nur die Freunde, die mich begleitet haben. Gott war auch da, wie ein Freund. Kann ich das so sagen: Du bist mein Freund, Gott. Ich bin dein Freund, Gott. Das klingt seltsam. Und trotzdem ist da etwas dran, Gott einen Freund zu nennen.

Was macht diese Freundschaft aus?

Was macht diese Freundschaft aus? Unternehmen wir was zusammen? Na klar, er ist ja immer dabei, auch wenn ich alleine unterwegs war. Wir haben gemeinsame Interessen! Na klar, er will -wie ich- dass ich lebe, dass ich geliebt werde, geachtet. Und auch andere achte, meinen Teil dazu tue, dass es auf dieser Erde menschlich zugeht. Bestimmt hätte Gott auch gern mehr Zeit mit mir und manchmal hätte ich auch gern mehr Zeit mit ihm.

Manchmal fühle ich mich von Gott allein gelassen

Ich suche nach ihm, vermisse ihn. Es gibt Zeiten, da finde ich keinen Draht; fühle mich allein gelassen. Ich bin manchmal enttäuscht von ihm. Hätte anderes erwartet. Ich kann auf meinen Freund Gott auch sehr wütend sein. Er könnte sich mehr um diese Welt kümmern, Böses verhindern, Gewalt beenden. Frieden bringen, endlich. Alles, was ich mir von einem starken Freund wünsche, dass er tut, was er kann.

Gott und ich - irgendwie sind wir Freunde

Er muss doch verstehen, wenn ich mich dann zurückziehe. Und ich muss es ja auch ertragen, dass Gott noch andere Freunde hat. Die er mindestens so mag wie mich. Ganz schön komische Gestalten darunter, gar nicht so mein Fall. Aber er scheint zu ihnen zu stehen. 

Mit Freunden ist es nicht immer leicht. Und mit mir als Freund auch nicht. Ich glaube schon: Wir sind auf so eine Art Freunde. Und dann war er auch an Silvester dabei und bleibt es auch im neuen Jahr. 
 

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