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Zum Weinen schön
Bildquelle: Free Photos/Pixabay

Zum Weinen schön

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Es gibt Geschichten, liebe Hörer, die sind zum Weinen schön, finde ich. Hier ist eine, die Geschichte der Schoschana Ovitz (n-tv.de 14.8.2019). Vor ein paar Tagen wurde sie 104 Jahre alt. Und denkt sich etwas Besonderes aus. Sie feiert mit etwa 400 Kindern, Enkeln, Ur- und Ururenkeln ihren Geburtstag an der Klagemauer des Tempels von Jerusalem. Sie will aber nicht klagen. Sie will Gott loben und danken. Einst hat sie das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, eine große Familie gegründet und den reichen Segen Gottes erlebt. Der älteste Enkel sagt nach dem Fest: „Alle hatten Tränen in den Augen, so bewegend war es.“

Welch ein Fest; ein Triumph des Lebens. Schoschana erlebt die Hölle; dann überlebt sie und feiert das Leben, feiert Gott, der sie trug und trägt. Der Mut und die Kraft dieser Frau sind ansteckend. Das ist zum Weinen schön.

Oft wissen wir nicht, warum Gott Böses zulässt. Wir fragen dann nach dem „Warum“; mit Recht. Und erhalten vielleicht keine Antwort. Wir dürfen dabei aber nicht stehenbleiben, lerne ich aus der Geschichte dieser Frau. Es hilft uns mehr, dem Schmerz auch zu trotzen. Und das Leben zu feiern. Das gibt es ja auch immer. Gott ist größer als jeder Schmerz. Entweder sehe ich in meinem Leben noch Glück, das ich auch habe - oder ich erfreue mich am Glück der anderen. Und stimme in das Lob anderer ein, so gut es geht. Das macht mich nicht gleich glücklich, entlastet mich aber. Wer Gott loben kann, bietet einem Schmerz die Stirn.

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