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Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt
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Viele haben in den vergangenen zwei Monaten ihr Zuhause neu entdeckt. In den Zeiten von Homeoffice wird die Wohnung plötzlich zum Arbeitsplatz. Ganz unterschiedliche Arbeiten finden jetzt in den eigenen vier Wänden statt. Zur Hausarbeit kommen die Schularbeiten, die Büroarbeiten und die Beziehungsarbeiten. Ein täglicher Kraftakt, das alles unter einen Hut zu bekommen, stöhnen viele.

Alte Rollenmuster werden jetzt neu sortiert

In Deutschland waren es bislang immer noch mehrheitlich Frauen, die sich um Haushalt und Kinder kümmern. Jetzt werden alte Rollenmuster neu sortiert: Der eine muss sich mehr um den Haushalt kümmern, während die andere zu Hause feste Arbeitszeiten für ihren Beruf braucht. Der eine kocht das gesunde Mittagessen, während die andere Kinder bei deren Schulaufgaben begleitet. Beruf und Familienalltag sind nicht mehr getrennt. Alle sind gemeinsam gefordert, dass der Alltag klappt und das Zusammenleben funktioniert.

Alles ist  Arbeit!

Plötzlich wird deutlich: Alles ist Arbeit! Die Arbeit, die bezahlt wird und Geld einbringt, und die, die ganz selbstverständlich als Fürsorge für andere in Familie und Freundeskreis getan wird. Arbeit, die mehrheitlich von Männern oder mehrheitlich von Frauen getan wird. Alles ist Arbeit. Das Leben mit Homeoffice lässt neu über Arbeit nachdenken.

Die Arbeit im Paradies ging mühelos von der Hand

Die Bibel unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Formen von Arbeit. Arbeit gehört zum Leben von Menschen von Anfang an dazu. Adam und Eva hatten schon im Paradies zu tun. Sie haben den Garten Eden „bebaut und bewahrt“, so der Auftrag an sie von Gott. Aber diese Arbeit war kein Ackern. Sie geht ihnen mühelos von der Hand. Dann verspielen Adam und Eva das Paradies und fliegen raus.

Nach dem Rauswurf aus dem Paradies ist harte Arbeit angesagt

Von da an bedeutet Arbeit Maloche. Sie müssen sich ihr Brot hart erarbeiten „im Schweiße ihres Angesichts“, so steht das in der Bibel. Also den harten Boden beackern, säen und nicht wissen, ob was draus wird und ob es reichen wird, für sie und für ihre Kinder. Die paradiesische Mühelosigkeit ist weg.

Arbeit ist aber nicht nur Schuften...

An anderer Stelle in der Bibel weitet sich der Blick. Da bedeutet Arbeit nicht nur Schuften. Arbeit ist Zeit, Kräfte, Wissen und letztlich auch Liebe, die Menschen einsetzen, damit Leben erhalten wird und weitergeht, ihr eigenes und das von anderen. Dabei kümmern wir uns nicht nur um andere. Auch für uns wird gesorgt. Gott sorgt für uns so wie für die Blumen auf dem Feld und für die Vögel unter dem Himmel. Wir sind ein Teil seiner Schöpfung.

Zur Arbeit gehört auch die Ruhe

Gott macht außerdem vor, dass zum Schaffen die Ruhe gehört. Am siebten Tag der Woche ruht der Schöpfer selbst von seinem Werk aus und stellt zufrieden fest: Es ist gut. Ruhen heißt in der Bibel: Sorg dich mal nicht - lass los, vertraue! Freu dich an dem, was gut geworden ist! Das kann ich am Sonntag tun, dem Ruhetag in der Woche als Erinnerung an paradiesische Sorglosigkeit. Oder auch in kleinen Zwischenpausen unter der Woche.

Auch im Homeoffice mal Pause machen

Zwischen Homeoffice, Homeschooling, Haushalt haben viele kaum Zeit für Ruhe. Dabei ist sie umso kostbarer und umso wichtiger, gerade wenn man überfrachtet ist. Wenigstens einmal am Tag allen, die etwas von mir wollen, sagen: Ich mach jetzt mal nichts. Und sei es nur für 15 paradiesische Minuten.

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Dr. Ursula Schoen
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Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Viele haben in den vergangenen zwei Monaten ihr Zuhause neu entdeckt. Sie mussten. In den Zeiten von Homeoffice wird die Wohnung plötzlich zum Arbeitsplatz. Ganz unterschiedliche Arbeiten finden jetzt in den eigenen vier Wänden statt. Zur Hausarbeit kommen die Schularbeiten, die Büroarbeiten und die Beziehungsarbeiten. Ein täglicher Kraftakt, das alles unter einen Hut zu bekommen!

In Deutschland waren es bislang immer noch mehrheitlich Frauen, die sich um Haushalt und Kinder kümmern. Jetzt werden alte Rollenmuster neu sortiert: Der Mann muss sich mehr um den Haushalt kümmern, wenn die Frau zu Hause ebenfalls feste Arbeitszeiten für ihren Beruf braucht. Der Vater kocht das gesunde Mittagessen, während die Mutter besser in Mathe ist und deshalb die Kinder bei deren Schulaufgaben begleitet. Alle, Eltern wie Kinder, müssen sich gemeinsam darum kümmern, dass der Alltag klappt und das Zusammenleben funktioniert. Beruf und Familienalltag sind nicht mehr getrennt, sondern müssen zusammengehalten werden.

Plötzlich wird deutlich: Alles ist Arbeit! Die Arbeit, die bezahlt wird und Geld einbringt, und die, die ganz selbstverständlich als Fürsorge für andere in Familie und Freundeskreis getan wird. Arbeit, die mehrheitlich von Männern oder mehrheitlich von Frauen getan wird. Alles ist Arbeit. Das Leben mit Homeoffice lässt neu über Arbeit nachdenken.

Arbeit wird in der Bibel in einem umfassenden Sinn verstanden. Die Bibel unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Formen von Arbeit. Arbeit gehört zum Leben von Menschen von Anfang an dazu.

Adam und Eva hatten schon im Paradies zu tun. Sie haben den Garten Eden „bebaut und bewahrt“, so der Auftrag an sie von Gott. Aber diese Arbeit war kein Ackern. Sie geht ihnen mühelos von der Hand. Dann verspielen Adam und Eva das Paradies und fliegen raus. Von da an bedeutet Arbeit Maloche. Sie müssen sich ihr Brot hart erarbeiten „im Schweiße ihres Angesichts“, so steht das in der Bibel. Also den harten Boden beackern, säen und nicht wissen, ob was draus wird und ob es reichen wird, für sie und für ihre Kinder. Die paradiesische Mühelosigkeit ist weg.

Weiter hinten in der Bibel weitet sich der Blick. Da bedeutet Arbeit nicht nur Schuften. Arbeit ist Zeit, Kräfte, Wissen und letztlich auch Liebe, die Menschen einsetzen, damit Leben erhalten wird und weitergeht, ihr eigenes und das von anderen.

Darum ist Arbeit mit Sorge verbunden. Dabei kümmern wir uns nicht nur um andere. Auch für uns wird gesorgt. Gott sorgt für uns so wie für die Blumen auf dem Feld und für die Vögel unter dem Himmel. Wir sind ein Teil seiner Schöpfung.

Gott macht außerdem vor, dass zum Schaffen die Ruhe gehört. Am siebten Tag der Woche ruht der Schöpfer selbst von seinem Werk aus und stellt zufrieden fest: Es ist gut. Ruhen heißt in der Bibel: Sorg dich mal nicht - lass los, vertraue! Freu dich an dem, was gut geworden ist! Das kann ich am Sonntag tun, dem Ruhetag in der Woche als Erinnerung an paradiesische Sorglosigkeit. Oder auch in kleinen Zwischenpausen unter der Woche.

Zwischen Homeoffice, Homeschooling, Haushalt haben viele kaum Zeit für Ruhe. Sie ist umso kostbarer und umso wichtiger, gerade wenn man überfrachtet ist. Wenigstens einmal am Tag allen, die etwas von mir wollen, sagen: Ich mach jetzt mal nichts. Und sei es nur für 15 paradiesische Minuten.

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