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Glück – ein Spiel
Bildquelle: Tom und Nicki Löschner/Pixabay

Glück – ein Spiel

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld
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Eine Million zu gewinnen, das wärs. Wer hat nicht schon mal davon geträumt. Man könnte so viel damit machen. Dafür muss man natürlich Lose kaufen, wetten, spielen, zocken. Man muss dem Glück auf die Sprünge helfen. Von allein wird’s nix. So machen es viele. 37.200. Eine hohe Zahl. Entspricht einer hessischen Kleinstadt. 37.200 Menschen haben mit Glücksspiel ein Problem. Und das nur in Hessen. In unserer Stadt gibt es etliche Spielhallen und einige Gaststätten mit 1-2 Spielautomaten. Dazu Wettbüros und zu Hause der Computer für Onlinespiele. Das Glückversprechen vor der Haustür, die Verführung daheim. Es beginnt harmlos, man setzt einen kleinen Betrag, gewinnt ein bisschen. Das macht Geschmack nach mehr. Dann lassen die Gewinne auf sich warten, mehr Geld wird eingesetzt. Und damit wächst die Sehnsucht nach dem einen großen Gewinn. Es wird also weitergespielt.

Die Automatenwirtschaft ist ein gutes Geschäft und hervorragend mit der Politik vernetzt. Es gibt viele gesetzliche Regeln, es gibt Kontrollen und Abgaben. In manchen Straßen unserer Städte liegt Spielhalle an Spielhalle: Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Mindestabstand. Die Ordnungsämter kontrollieren selten. Steuereinnahmen von mehr als einer Million Euro werden dringend gebraucht. Davon profitieren wir alle.

Allerdings hat die Sehnsucht nach dem großen Gewinn ihre Schattenseiten. Aus Sehnsucht wird Sucht. Das Geld wird knapp beim Spiel, man leiht sich Geld, Schulden häufen sich an. Das hat Folgen: Geldsorgen und heimliches Weiterspielen. Glücksspielsucht ist eine Erkrankung, kein Spaß. Sie zerstört Freundschaften, Ehen, Existenzen. Viele kommen allein vom Spielen nicht los, Angehörige sind hilflos. Bei Diakonie, Caritas und andere Beratungsstellen können Betroffene über ihre Spielsucht anfangen zu reden. Sie können ihre Verschuldung angehen. Und sie können sich entscheiden, nicht mehr zu spielen. So kann man dem Glück auch auf die Sprünge helfen. Von allein wird’s nix.

Von den 37.200, den Menschen, die mit dem Glücksspiel ein Problem haben, hat sich fast die Hälfte für Spielhallen sperren lassen. Das ist eine gute Nachricht!

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