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Nach dem Missbrauchsgipfel

Nach dem Missbrauchsgipfel

Dr. Klaus Depta
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Dr. Klaus Depta,

Katholischer Rundfunkbeauftragter, Fulda
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Moderator/in: Bis zum Sonntag tagte der Missbrauchsgipfel im Vatikan. Klaus Depta von der Katholischen Kirche: Als Mitarbeiter der Katholischen Kirche wirst auch du auf dieses Thema angesprochen. Welche Reaktionen kommen bei dir an?

Im Grunde zwei verschiedene: Da sind zum einen diejenigen, die froh sind, dass sich 190 Bischöfe aus der ganzen Welt quasi auf höchster Ebene endlich mit dem Thema beschäftigen. Und ein Satz aus der Rede des Papstes wird dann ganz gerne zitiert: Der hat nämlich gesagt: „In den Missbräuchen sehen wir die Hand des Bösen, das nicht einmal die Unschuld der Kinder verschont.“ Das ist zwar typisch kirchliche Sprache, aber auch eine deutliche Sprache.

Du sagst: zwei Arten von Reaktionen. Was ist die zweite?

Die lässt sich am ehesten mit dem Wort „Enttäuschung“ zusammenfassen. Ja, der Papst hat mehrere Leitlinien vorgelegt, nach denen die Kirche nun endlich etwas tun muss. Aber die Enttäuschten sagen auch ganz klar: Ankündigungen haben wir genug gehört. Es wird Zeit, dass nun wirklich etwas passiert.

Was man irgendwie auch nachvollziehen kann. Wie sehen denn diese Leitlinien aus und vor allem: Werden sie auch umgesetzt?

 

Ganz wichtig ist eine stärkere Hinwendung zu missbrauchten Personen. Dann aber fordert der Papst einen besserer Kinderschutz, „wirkliche Reinigung“, wie Franziskus das nennt, eine bessere Auswahl und Ausbildung von Priesteramtskandidaten, Kampf gegen Kinderpornographie und Sextourismus. Wenn man fair ist, muss man zugeben: Die meisten Fälle, die heute das Thema befeuern, liegen zig Jahre zurück. Und gerade in den letzten Jahren ist in deutschen Bistümern einiges passiert. Aber es sieht auch alles nach einer letzten Chance für die Kirche aus: Versagt sie wieder, dann wenden sich wohl viele Gläubige endgültig von der Kirche ab.

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