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Sich erkennen lassen
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Sich erkennen lassen

Christoph Hartmann
Ein Beitrag von

Christoph Hartmann,

Lehrer und Referent für Schulpastoral, Fulda
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Manchmal kostet es richtig Mut, wenn Menschen sich dazu bekennen, dass sie dazugehören. Ich bin einer von ihnen! Ich bin stolz, Teil der Mannschaft zu sein. Zum Glück lebe ich in einem Land, in dem ich frei wählen kann zu welchem Verein, zu welcher Partei oder zu welcher Religionsgemeinschaft ich gehören möchte. Diese Freiheit ist durch das Grundgesetz geschützt! Und dafür bin ich sehr dankbar. Weil wir in Deutschland diese große Freiheit schätzen und lieben, trauen sich Menschen aus ihrer Zugehörigkeit - zu was auch immer - kein Geheimnis zu machen. Sie lassen sich erkennen! Das ist schön! Denn es zeigt, wie bunt und tolerant unsere Gesellschaft ist.

Woran erkenne ich zum Beispiel einen Fußball Fan – Als Hesse spiele ich das mal am derzeit einzigen hessischen Verein der ersten Bundesliga durch. Einen Fan von Eintracht Frankfurt erkenne ich, ganz klar, am Eintrachtschal, am Adler auf der Schultasche oder auf dem Auto. Am Trikot, das im Sportunterricht oder einfach in der Freizeit getragen wird. Eventuell auch an der Jahreskarte und natürlich daran, dass ihm das Herz aufgeht, wenn es um die Eintracht geht! Soweit so gut.

Noch ein Beispiel: Woran erkenne ich einen Christen? Ich meine bei Katholikentagen oder Weltjugendtagen ist das noch recht einfach. Die Teilnehmer tragen sichtbare Erkennungszeichen wie Schals, Kappen oder Rucksäcke. Ansonsten muss ich da schon genauer hinschauen. Ein Fischaufkleber am Auto, ein Kreuz an einer Halskette oder ein Tattoo mit einer christlichen Botschaft. Und wenn es um Jesus geht, geht auch bei Christen das Herz auf. Jesus Fans und Fußball Fans sind eben begeisterte Menschen!

Natürlich jeder Vergleich hinkt.  Doch da gibt es noch eins, was die beiden „Fanlager“ miteinander verbindet. Nicht immer ist es leicht für einen Fußballfan zu seinem Team zu stehen. Bei Siegen und Meisterschaften – kein Problem. Aber wenn es Niederlagen, verpatzte Pokalfinale oder Abstiege hagelt, kostet es Kraft hinter seinem Verein zu stehen und ihm treu zu bleiben.

Ähnlich ist das bei Christen. Ein Besuch in Rom, Lourdes oder in Jerusalem gibt neue Glaubenskraft. Doch wie steht es um meinen Glauben in der Schule oder am Arbeitsplatz? Habe ich da den Mut für meine Glaubensüberzeugungen einzustehen? Mir wird deutlich: Jesusfans und Fußballfans haben Gemeinsamkeiten: Ihre Überzeugung von der jeweiligen Sache lässt sich unmissverständlich an ihrem Reden, Tun und Handeln erkennen (vgl. 1 Joh 2,1-6). Dass aber Wort und Tat übereinstimmen, bleibt – auch für Christen – eine ständige Herausforderung. Zum Glück gibt es dazu Orientierungshilfen. Der zentrale Bibeltext, der heute in den katholischen Gottesdiensten verlesen wird, berichtet davon, wie Jesus seinen Zuhörern geistige Hilfen mit auf den Weg gibt. Was ich damit meine? Haben Sie einen Moment Geduld. Ich erkläre es Ihnen.

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Die gerade angesprochene geistige Landkarte, entfaltet sich in der Feldrede Jesu, die vom Evangelisten Lukas übermittelt wird. In dieser Rede formuliert Jesus sehr deutlich, was es bedeutet in der Nachfolge Jesu zu stehen. Er wendet sich an seine Zuhörer und ermutigt sie sich in ihrem Verhalten von anderen Menschen abzugrenzen, indem sie sich seine Maßstäben zu eigen machen. Aber was sind das für Maßstäbe?

Dazu drei Beispiele: Maßstab Nummer eins: die Feindesliebe. Diese Forderung empfinde ich als einen richtigen Brocken! Reicht es nicht schon, wenn ich versuche die Menschen zu lieben, die mir nahestehen? Allein das Konfliktpotenzial, was in diesen Beziehungen möglich ist, reicht doch vollkommen aus und bringt meine Liebe oft an den Rand des Möglichen. Und Jesus sagt: Nein! Er will mehr! Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? So etwas kann tatsächlich nur Jesus sagen. Denn er weiß, dass er aufgrund seiner Liebe einen schrecklichen Tod am Kreuz sterben wird. Dort, wo menschliche Liebe oftmals scheitert, ist Jesus voller Liebe bis zum bitteren Ende gegangen.

Das ist Liebe, so glauben Christen, die den Tod überwindet! Und genau aus dieser Liebe sollen seine Jünger leben.

Ich gebe zu: Das Gebot der Feindesliebe fordert mich besonders heraus. Als ehemaliger Marinesoldat werden da meine damaligen Maßstäbe auf den Kopf gestellt. Jesus fordert geradezu ein Umdenken im Umgang mit den Feinden. Seine Antwort auf Gewalt sind Liebe, Gebet, Demütigung erdulden und den Menschen Gutes zu zusprechen. Was für den einen naiv klingt, ist für Jesus der Maßstab der Nachfolge. Ich gestehe ganz ehrlich, in diesem Punkt der Nachfolge bin ich noch ziemlich am Anfang. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich denke: Es gibt Diktatoren, Menschenschlächter auf dieser Welt, denen ist nur mit Waffengewalt beizukommen. Wie soll ich die, die morden und vernichten, die sich als Feinde alles Menschlichen zeigen – wie soll ich solche Menschen lieben? Andererseits ist mir auch klar, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt. Die Konflikte im Nahe Osten sowie zahlreiche Kriegsschauplätze der Erde kommen mir da als Beispiele in den Sinn. Sie machen mir die ganze menschliche Ohnmacht deutlich. Trotzdem gilt für Jesus: Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? 

Aus dem Leben gegriffen scheint mir auch der zweite Maßstab: Richtet nicht, dann werdet  auch ihr nicht gerichtet. Wer bin ich, dass ich über einen Menschen ein Urteil sprechen dürfte. Oftmals weiß ich gar nicht, was jemand in seinem Lebensrucksack für einen Ballast mit sich trägt. Sorgen, Nöte, Trauer oder Enttäuschungen. Schon die Indianer Nordamerikas haben diese Erfahrung so formuliert: Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.

Diese Aufforderung Jesu, nicht zu richten, fordert von mir ein hohes Maß an Bescheidenheit. Meine eigene Erfahrung bestätigen es mir: Wenn ich andere Menschen mit ihren Ecken und Kanten nicht richte, so erlebe dieses Verhalten auch mir gegenüber. Und das tut gut! Ich bin mir sicher: Das ist es, was Jesus für alle Menschen möchte. Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet. Nur Mut!

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Zwei der Maßstäbe Jesu habe ich angesprochen. Nun kommt der Dritte. Gebt, dann wird auch euch gegeben. Der Volksmund kennt das Sprichwort: Geben ist seliger als nehmen. Diese Aufforderung besteht für mich aus zwei Punkten, die in einer gewissen Spannung zueinander stehen. Auf der einen Seite das Geben, auf der anderen das Bekommen.

Mit dem Geben ist das so eine Sache. Lieber spare ich mein Geld, als dass ich es weggebe. Doch Vorsicht. Wofür gebe ich im Laufe eines Monats mein Geld aus? Wie nützlich bzw. sinnvoll sind all meine Einkäufe? Ich weiß von mir, dass ich im Monat sicherlich einige Euro sparen könnte. Bewusst einkaufen! Bewusst verzichten! Da steckt also Potential drin. Und dann bewusst geben. Es kommt nicht darauf an, wie viel ich gebe. Wichtig ist es hierbei von Herzen zu geben. Auch wenn es dann nur ein paar Euro sind. Jeder möge nach dem Maß geben, wie Gott ihn gesegnet hat. Sie erinnern sich an die zweite Herausforderung? Richtet nicht! Es gibt keine Untergrenze, kein Minimum für das mich jemand tadeln könnte.

Neben dem Geben steht das Bekommen! Wer anderen gibt, wird reichlich empfangen, heißt es in der Bibel. Was für eine tolle Zusage! Damit lässt es sich doch wunderbar leben und vielleicht auch träumen. Allerdings gilt auch: Vor dem Bekommen steht das Geben!

Ich bin immer wieder erstaunt, dass selbst namhafte Finanzcoaches empfehlen, 10 Prozent seines Einkommens zu spenden, um Gutes zu tun. Und es gibt Menschen, die sind überzeugt: Wer Gutes tut, bekommt es reichlich zurück. Kaum jemand hat eine Idee, warum das so ist. Es funktioniert einfach.

Erinnern Sie sich noch an meine Bemerkungen über Fußballfans und ihre Erkennungszeichen? Die Erkennungszeichen von Christen sollten keine großen Worte oder effektvolle Zeichen sein. Vielmehr sollten die drei Maßstäbe Christen kennzeichnen: Die Feinde zu lieben. Nicht zu richten. Und den Menschen in Not zu geben. Wie heißt es so schön: An ihren Taten werdet ihr sie erkennen. Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum dranzubleiben. Sich dem Leben zu stellen und persönlich zu reifen. Für Christen sind die Worte Jesu herausfordernd und tröstlich zugleich. Für jeden Suchenden sind sie eine herzliche Einladung neue Wege zu gehen.

 

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