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Briefe schreiben
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Briefe schreiben

Prof. Dr. Martin Hein
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Martin Hein,

Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Ich schreibe gerne mit der Hand Briefe oder Postkarten. Und ich freue mich, wenn ich einen handgeschriebenen Brief oder eine Karte bekomme. Da hat sich jemand richtig Mühe gemacht.

Das Schreiben mit Füller oder Kuli ist aus der Mode gekommen. Wir greifen gleich zu unserem Smartphone, um eine kurze Nachricht abzuschicken. Auch unsere Mails enthalten meist nur das Allernötigste. Selbst Liebesbriefe gehen inzwischen auf Twitter – oder auch die Nachricht, dass es aus und vorbei sei. In einer Zeit zunehmender Geschwindigkeit wirken Briefe seltsam abständig. Manche denken sogar: „Ah, da kann jemand wohl nicht richtig mit den elektronischen Medien umgehen. Muss noch mit der Hand schreiben“.
Dabei ist eine Handschrift etwas Einzigartiges. Keine sieht aus wie die andere – genauso wie wir einzigartig sind. Unsere Handschrift gehört nur zu uns. Kommt ein handgeschriebener Brief bei mir an, ahne ich schon bei der Anschrift, wer ihn verfasst hat. Da muss der Absender gar nicht draufstehen. Es ist seine oder ihre Schrift!
Weil ich mich darüber freue, nehme ich mir die Zeit, auch anderen eine Freude zu machen und schreibe einen Brief oder eine Postkarte mit der Hand. Die Empfänger haben dann etwas ganz Persönliches von mir. Und ich erlebe: Es wird wertgeschätzt!
Das Neue Testament ist voller Briefe, die vor allen der Apostel Paulus geschrieben hat. Leider ist uns keiner mit seiner originalen Handschrift erhalten. Ob er mit dem PC geschrieben oder getwittert hätte, wenn er diese Möglichkeiten schon gekannt hätte? Er hat sich jedenfalls für seine Briefe Zeit genommen und Wort für Wort abgewogen. Deshalb erfahren wir von ihm so viel Persönliches. Es lohnt sich, einmal einen seiner Briefe von Anfang bis Ende in einem durchzulesen. Das ist ein eigener Klang. Und vielleicht fällt Ihnen ja jemand ein, dem Sie auch einmal wieder einen persönlichen Brief schreiben könnten.

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