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Erntedank und Sukkot
Bild: stux_pixabay

Erntedank und Sukkot

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Die Weinlese ist im Gange, die meisten Früchte und das meiste Gemüse in unseren Breitengraden sind geerntet. Zeit fürs Erntedankfest. Auch in einigen der Bad Homburger Altenheime, in denen ich als Seelsorgerin arbeite, bereiten wir das Erntedankfest vor. Da geht es um Früchte, Gemüse und Wein; aber darüber hinaus ist auch die Dankbarkeit an sich wichtig, zum Beispiel dafür, das vergangene schwierige Corona-Jahr gut überstanden zu haben. Das ist ja nicht selbstverständlich. Auf dem Kalender fällt das Erntedankfest dieses Jahr zusammen mit dem 3. Oktober, der als Tag der Deutschen Einheit ja auch viele Menschen mit Dankbarkeit erfüllt.

Juden feiern ein Fest der ersten Früchte und eines zum Ende der Ernte

Ich halte in dieser Woche auch die Augen offen, ob ich irgendwo eine Sukka, eine Laubhütte, entdecke: das kann ein besonders geschmückter Balkon oder eine extra gebaute provisorische Hütte im Garten oder in der jüdischen Gemeinde sein. Jüdische Menschen feiern nämlich in dieser Woche, seit Dienstag „Sukkot“, das Laubhüttenfest. Da geht es auch um den Dank für die Ernte. Es gibt im Judentum sogar gleich zwei solcher Erntedankfeste: Schawuot, das Fest der ersten Früchte, wenn im Frühsommer der erste Weizen geerntet wird und jetzt Sukkot, am Ende der Ernte.

Dank für die Ernte und die Begleitung durchs Leben

Bei beiden Festen geht die Dankbarkeit aber über die konkrete Ernte hinaus. Wenn Juden und Jüdinnen in der improvisierten Laubhütte zusammen kommen, danken sie auch für die Begleitung Gottes auf dem Weg durch die Wüste, von dem ja auch im ersten Teil der Bibel erzählt wird, - und überhaupt für die Begleitung durchs Leben.

Dankbarkeit und Freude sind mir ein inneres Laubhüttenfest

Mir fällt da immer einer meiner Professoren aus dem Theologiestudium ein. Er war ein großer Freund des Judentums und ein Liebhaber der hebräischen Sprache und hat auch mir das erste, das alte Testament näher gebracht. Leider ist er vor wenigen Jahren gestorben. Bei besonderen Gelegenheiten sagte er manchmal: „Es ist mir ein inneres Laubhüttenfest“ – Ich habe es noch im Ohr. Das klang für mich zunächst lustig und irgendwie kurios, aber ich glaube, er meinte das ernst und wollte damit sagen: „Es erfüllt mich mit Freude und Dank, und der Dank geht zu Gott, so dass ich ihm zu Ehren am liebsten eine Hütte bauen und mit anderen feiern wollte!“ Dieses Gefühl kenne ich auch: Wenn sich Freude und Dankbarkeit im Herzen mischen und mich innerlich ganz erfüllen. Ich wünsche uns in diesem Tagen also so ein „inneres Erntedank“ oder auch Sukkot.

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