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Bekehrung des Apostels Paulus
Bild: pixabay

Bekehrung des Apostels Paulus

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter der Abteilung Bildung und Kultur im Bischöflichen Generalvikariat Fulda
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Paulus ist fraglos eine der Schlüsselfiguren für das frühe Christentum. Er ist – so hat es ein Professor während meines Studiums ausgedrückt - so etwas wie der Generalsekretär der sich bildenden Kirche. Er bereist und gründet Gemeinden, er verfasst aufbauende, strenge oder pastorale Briefe. Er ist ein echter Netzwerker. Paulus bringt Glaube und Vernunft in der antiken Welt zusammen. Er ist wortgewaltiger Interpret des Jesus-Ereignisses. Dass Gott Mensch wurde und uns Menschen wandeln will, das hat Paulus selbst erlebt. Sein Wandel vom kompromisslosen Christenverfolger zum nachösterlichen Apostel ist sprichwörtlich geworden: Vom Saulus zum Paulus, sagen wir auch heute noch, wenn jemand sein Leben umkrempelt oder sich jemand zum Guten wandelt.
Heute gedenkt die Kirche ihrem Apostelfürsten; oder besser: dem Bekehrungserlebnis des Paulus, das ihn vor Damaskus ereilte und dafür sorgte, dass er fortan für Christus unterwegs war.

Es braucht nur ein kleines Anzeichen und ein offenes Herz

In der aktuellen Ausstellung des italienischen Barockmalers Guido-Reni im Frankfurter Städel hat mich das Bild, das genau diesen Moment darstellt, besonders beeindruckt. Renis Paulus stürzt vom Pferd und wird mitten im Fall bildlich und hoch-dynamisch festgehalten. Sein Blick richtet sich schon im Fallen gen Himmel. Die Füße noch hoch in der Luft, landet er schon mit einer Hand auf dem Boden; Paulus wird auf den Kopf gestellt, so scheint es, nichts bleibt, wie es war. Sein großer roter Mantel wirft im Fallen dramatische Falten und suggeriert Bewegung. Er markiert einen kontrastreichen Hintergrund zu den dunklen, erdigen Farben des Bodens, auf dem Paulus aufschlägt. Die ganze Pracht landet auf dem Boden der Tatsachen. Als Erstes aber liegen schon Schild und Schwert unten. Paulus, der stolze römische Bürger, ist völlig entwaffnet. Der Himmel ist wolkenverhangen, aber diese öffnen sich einen Spalt und ein heller, geheimnisvoller Strahl des Lichtes wird sichtbar. Und es wäre nicht Guido-Reni, wenn nicht sogar das Pferd entrückt gen Himmel schauen würde. Es ist der Moment, von dem die Apostelgeschichte berichtet: "Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst." (Apg 9)

Die Botschaft: in sich hineinhören und seine 180 Grad Wende gut durchdenken

Diesen Moment hält Guido Reni meisterlich und in einer grandiosen Bildkomposition fest. Das Motiv oder besser die Stelle aus der Apostelgeschichte ist ein Kernmoment des jungen Christentums. Von daher überrascht es auch nicht, dass die Kirche extra für dieses Ereignis einen Gedenktag festsetzt. Es ist dabei ein Gedenktag für Paulus, natürlich. Aber vor allem auch für die Bekehrung an sich, die selbst so scheinbar hoffnungslose Fälle ereilen kann wie den üblen Christenverfolger Paulus. Und darüber hinaus gilt natürlich: Jeder Mensch kann Bekehrung nötig haben. Wie oft frage ich mich: Kann alles so bleiben, wie es ist mit mir und der Welt oder muss ich mich ändern und die Welt gleich mit? Klein anfangen lautet die Devise, denke ich dann. Erstmal auf sich schauen, bevor man die Welt verändern will. Dabei muss aber zugleich deutlich werden, an was wir uns immer wieder neu ausrichten können. Für Paulus war das nach seinem Sturz klar: Jesus war fortan der Maßstab seines Lebens. Mit allen Konsequenzen und bis hin zu Gefangenschaft und Tod. Der Tag heute, der Tag der Bekehrung des Paulus, stellt jedem mir die Frage: Habe ich Bekehrung nötig? Und wenn ja, wohin soll ich mich wenden? An was oder besser wem mich ausrichten? Paulus jedenfalls hat das hervorragend gemeistert. Er hat Gewalt und Verfolgung abgeschworen und hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Am Ende hat Paulus sogar die Welt verändert. Aber er hat erstmal bei sich angefangen. Auch das könnte die Botschaft des heutigen Tages sein.

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