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Nikolaus und das Kornwunder
epd/Jörn Neumann

Nikolaus und das Kornwunder

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Heute, am Nikolaustag, ist eine gute Gelegenheit, über Getreide zu sprechen. Was hat der gute alte Nikolaus mit Getreide zu tun?

Wer war Nikolaus?

Erst mal kurze Stichworte zur Person: Nikolaus wird um das Jahr 280 in Patara geboren, in der heutigen Provinz Antalya im Westen der Türkei, heute ein sehr beliebter Badeort für deutsche Touristen. Mit 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht, dann Abt und schließlich Bischof von Myra, das auch in der Türkei liegt und heute Demre heißt. Und dort kommt das Getreide ins Spiel.

Hungersnot in Myra

Es hat lange nicht geregnet in Myra, die Ernte ist vertrocknet, die Menschen hungern.

Da hört Bischof Nikolaus, dass im Hafen ein Schiff angelegt hat mit großen Mengen Getreide an Bord. Die Ladung ist bestimmt für den Kaiser in Konstantinopel. Nikolaus denkt: „Da lässt sich doch was machen!“ Er eilt zum Schiff und bittet die Seeleute: „Bitte, lasst einen Teil des Korns hier, die Leute hungern.“ Die Männer zucken die Schultern. Das Getreide ist genau abgewogen. Fehlt was, gibt es Ärger. Der Kaiser hat schließlich nichts zu verschenken.

Das Kornwunder

Jetzt beginnt etwas, was man später das Kornwunder nennt: Nikolaus versichert, dass bei der Ankunft nichts fehlen würde. Er glaubt fest: Gott hilft dabei. Die Seeleute bewundern diesen Glauben und vertrauen ihm – ein Teil des Getreides bleibt in der Stadt. Als das Schiff wenige Tage später in Konstantinopel ankommt, fehlt kein Körnchen.

Ein Kornwunder täte auch heute Not

Trockenheit, Missernten und hungernde Menschen gibt es auch heute – ein Kornwunder täte Not.

Vielleicht lässt sich das Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland als kleines Kornwunder bezeichnen. Die Ukraine war vor dem russischen Angriffskrieg einer der weltweit größten Getreideexporteure. Dann blockierte Russland die Ausfuhr. Die Türkei vermittelte, gemeinsam mit den Vereinten Nationen. Mit Erfolg. Eine Zeit lang konnte wieder Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer auf den Weltmarkt gelangen. Aber im Sommer beendete Russland das Abkommen – zu Lasten der Hungernden in der Welt.

Meine Hoffnung: Was möglich war, wird wieder möglich sein – dazu braucht es Verhandler wie Nikolaus – mit guten Ideen und vielleicht auch mit festem Glauben.

 

 

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