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Pfarrkirche St. Antonius Frankfurt-Rödelheim
Bild: Sankt_Antonius_Roedelheim_BeateHirt

hr4 Weihnachtsgottesdienst aus Frankfurt-Rödelheim

Beate Hirt
Ein Beitrag von Beate Hirt, Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Katholischer Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 2023, 10:05 - 11.00 Uhr, aus der Pfarrkirche St. Antonius in Frankfurt-Rödelheim 

Den Gottesdienst zum Nachhören gibt es nach Ausstrahlung hier oben auf dieser Seite und auf hr4.de.

Nach dem Gottesdienst können Hörerinnen und Hörer mit Pfarrer Joachim Braun und Gemeindereferentin Sina Reulein sprechen: Sie sind bis 12.30 Uhr telefonisch erreichbar, die Telefonnummer wird nach dem Gottesdienst angesagt.

Zelebrant und Prediger: Pfarrer Joachim Braun

Moderation / Lektorin Fürbitten: Sina Reulein

Lektor Lesung und Fürbitten: Christian Tobergte

Leitung Chor und Orchester: Wolfgang Jacob                                           

Kantorin: Sina Reulein

Orgel: Annemarie Jacob

Kirchliche Redaktion: Beate Hirt, Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr / Anja Wonner                                                               

Musik:

Lied zur Eröffnung: GL 754, 1-3 „Freu dich, Erd und Sternenzelt“
Kyrie: aus der Missa in C KV 258 für Soli, Chor und Orchester von W. A. Mozart
Gloria: aus der Missa in C KV 258 für Soli, Chor und Orchester von W. A. Mozart
Antwortpsalm: GL 038, 1 und Psalmverse
Ruf vor dem Evangelium: GL 175, 5 Halleluja

Musik während der Predigt:
Philipp Rüfer (1844-1919), „Drei Stücke für Violine und Orgel“ op. 36, Nr. II „Adagio“ - "Reprise"
Fritz Zierau (1865 - 1931), „Largo“ für Violine, Violoncello u. Orgel - "Reprise"
Musik zur Gabenbereitung: GL 241, Str. 1+2 „Nun freut euch, ihr Christen“

Sanctus und Benedictus: aus der Missa in C KV 258 für Soli, Chor und Orchester von W. A. Mozart
Agnus Dei: aus der Missa in C KV 258 für Soli, Chor und Orchester von W. A. Mozart
Musik zur Kommunion 1: „Méditation“ für Geige, Violoncello und Orgel von Edmont Missa (1861-1910)
Musik zur Kommunion 2: GL 239, 1+2 „Zu Bethlehem geboren“

Schlusslied: GL 238 „O du fröhliche“, Str. 1-3
Nachspiel: Concerto für 2 Trompeten und Orchester von F. Manfredini (1680-1748), 3. Satz „Allegro

Predigt:

Liebe Hörerinnen und Hörer von hr4, liebe Geschwister im Glauben hier in der Kirche,

schön war der Himmel zu Weihnachten über Frankfurt nicht gerade: kein klarer Himmel, an dem man tagsüber die Sonne und nachts die Sterne sehen konnte.

Es gibt noch mehr Menschen, über denen der Himmel nicht klar und schön war zu Weihnachten: die Menschen in der Ukraine und in den anderen Kriegsgebieten etwa. Und auch über Menschen hier unter uns. Wie sieht der Himmel über Ihnen aus an diesem Weihnachtstagen? Ist es ein schöner, klarer Himmel, unter dem Sie gerne leben? Oder ist der Himmel geschlossen?

Wir feiern die Geburt des Kindes von Bethlehem. Die auf den Hirtenfeldern Wache hielten, bekamen ein kleines Stück des offenen Himmels zu sehen – und einen, der ihnen sagte: Ich verkünde euch eine große Freude: Euch ist der Retter geboren.

Ein Kind – ein Stück vom offenen Himmel! Das Strahlen in den Augen von Eltern oder Großeltern erzählt mir manchmal davon. Auch die Hirten erzählen es weiter. Maria und Josef werden in aller Dunkelheit dieser Nacht ein kleines Stück Himmel gesehen haben; die Botschaft der Engel, der Hirten, hat sie froh gemacht!

Das Kind, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern, hat wenige Male in seinem Leben den Himmel offen gesehen: Als Jesus getauft wurde, erzählt die Bibel, öffnete sich der Himmel. Jesus sah Gottes Geist auf sich herabkommen, und er hörte die Stimme: „Du bist mein geliebtes Kind; an dir habe ich meine Freude.“ Und noch einmal, auf dem Berg der Verklärung, als die gleiche Stimme ihn bestätigte und ihm die innere Klarheit gab, dass er auf dem richtigen Weg war.

Manchmal hat sich der Himmel über Jesus ein bisschen geöffnet: bei der Hochzeit zu Kana, oder wenn er Menschen heilen konnte; bei Worten, bei denen er spürte, dass Menschen ihm zuhörten und bereit waren, ihm zu folgen; wenn er jubelte, weil die Kleinen die Freundinnen und Freunde Gottes sind; wenn er anderen helfen konnte; wenn er ihnen durch seine Nähe ein Stückchen des offenen Himmels schenken konnte. Das war auch für ihn wunderbar.

Das Kind, dessen Geburt wir feiern, hat in seinem Leben aber auch den geschlossenen Himmel erlebt, wo man nichts mehr oder kaum noch etwas sehen kann vom Licht. Er hat sich total verlassen gefühlt von dem, den er seinen Vater nannte, und von allen, die ihm gefolgt waren.

In dieser dunklen Stunde hat er noch mit letzter Kraft ein winziges Stückchen Himmel erblicken können: Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine. Und in der anderen allerfinstersten Stunde, am Kreuz auf Golgata, war der Himmel verhangen, ganz dunkel. Und er hat nur noch ein winziges Stück vom offenen Himmel gesehen, als er sagen konnte: In deine Hände lege ich meinen Geist.

Der Stephanustag heute ist das Fest eines Menschen, der im letzten Augenblick seines Lebens sagen konnte: Ich sehe den Himmel offen – obwohl er den Tod vor Augen hatte. Diesen Himmel hat Gott an Weihnachten geöffnet – für immer!

Auch persönlich kenne ich den offenen Himmel: Es gibt Momente, in denen ich mich glücklich schätze und das Leben als wunderschön empfinde. Ich sehe, wie sinnvoll es ist, dass ich da bin, und dass mein Leben zu gelingen scheint.

Ich kenne aber auch den verschlossenen Himmel der Niedergeschlagenheit, des Misserfolges, der Sinnlosigkeit. Der dunkle Himmel des Zweifels und der Depression, der Hoffnungslosigkeit und der Angst ist mir nicht fremd. Und manchmal fürchte ich, dem geschlossenen Himmel ausgeliefert zu sein und zu fallen und zu fallen  ...

Weihnachten lehrt mich, dass das nicht so sein muss. Weihnachten sagt mir: Selbst in der tiefsten Dunkelheit deines Lebens ist noch ein Stückchen Himmel offen. Gott wird Mensch, damit ich glauben kann, dass ich nicht im absoluten Dunkel sitze. Es gibt jemanden, der mit mir lebt, der in meinen dunkelsten Stunden – wie bei Stephanus – den Himmel öffnen kann und mir das kleine Stückchen Himmel zeigt, dass mich nicht verzweifeln lässt.

Weihnachten ist das Fest, an dem diese Hoffnung in uns Wurzeln schlagen will. Das Fest der Menschwerdung beharrt darauf, dass es keine absolute Dunkelheit mehr gibt, dass wir auf alle Fälle und unter allen Umständen begleitet sind. Und diese Gewissheit erst lässt uns menschenwürdig leben. Amen.

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