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Die verstoßene Oma
Bild: Almadrava/Pixabay

Die verstoßene Oma

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Den Ausdruck „verstoßene“ Oma kannte ich nicht. Rita hat mir davon erzählt. Sie ist Anfang sechzig und nennt sich "verstoßene" Oma. Sie wohnte mit Tochter, Schwiegersohn und zwei Enkeln im gleichen Haus. Dann kriselte es in der Ehe ihrer Tochter.

Oma Rita machte einen Fehler

Und Oma Rita machte einen Fehler, sagt sie. Sie mischte sich ein, gab Ratschläge. Als ihre Tochter dann auszog, bekam Oma Rita einen Brief von der Enkelin: Liebe Oma, ich möchte nicht mehr mit dir reden und spielen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, sagt Rita, die „verstoßene“ Oma.

Zwei Jahre kein Wort, kein Bild, kein Kuscheln

Zwei Jahre kein Wort, kein Bild, kein Kuscheln. Briefe wurden zurückgeschickt. Das war die Hölle, sagt sie.

Das darf nicht sein, denke ich. Natürlich gibt es Krisen und Fehler. Auch Fehler, die man nicht machen will und trotzdem macht. Aber es gibt auch eine rote Linie, die man nicht überschreiten darf. Sie heißt: Kinder. Kinder können dafür nichts.

Kinder darf man nicht für eigene Zwecke benutzen

Man darf Kinder nicht benutzen, um zu zeigen, wie mächtig man ist. Unter keinen Umständen. Niemand hat das Recht, Kinder unter dem leiden zu lassen, was man selber verschuldet hat.

Wehe denen, sagt Jesus (Matthäus18,1-7), die Kinder nutzen für eigene Zwecke. Das ist die rote Linie.

Rechte der Kinder achten

Die Rechte der Kinder dürfen nicht verletzt werden, um selber mächtig zu sein. Das gibt unnötige Tränen - der Kinder und der Oma Rita. Sie hat das tiefe Tal jetzt hinter sich. Ihr letzter Brief kam nicht zurück. Die Enkelin hat gefragt: Wollen wir uns mal sehen? Ja, hat Oma Rita in ihrer Wohnung laut vor sich hin gerufen; ja natürlich. Gerne.

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