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Himmelstau und Erdenfett. Was ist Segen?
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Himmelstau und Erdenfett. Was ist Segen?

Ein Beitrag von Dr. Thomas Dörken-Kucharz, Evangelischer Pfarrer und Chef der Rundfunkarbeit im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, Frankfurt
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Sprecherin Nicole Abraham

 

Ein Vater segnet seinen Sohn. In der Bibel klingt das so:
Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und Wein die Fülle… Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet! (1.Mose 27,28f)

Segnen durchzieht die Bibel von Anfang an

Diese Segensworte spricht der Erzvater Isaak zu seinem Sohn Jakob. Er verheißt ihm ein erfülltes Leben, das trieft von Segen. Segnen durchzieht die Bibel von Anfang an und ist aus keinem Gottesdienst wegzudenken. Aber was ist Segen und wie wirkt er? Dem möchte ich an diesem Sonntag mit Ihnen zusammen nachspüren. Dazu vertiefen wir uns in die Bibel, schauen aber auch beim „Herrn der Ringe“, bei „Harry Potter“ und in den „Star Wars-Abenteuern“ vorbei.

Jakob erschleicht sich den Segen seines Vaters

Doch zunächst zurück zu Isaak und seinem Sohn Jakob: Segen wirkt nicht wie Zauber. Auch der des Erzvaters Isaak nicht. Himmelstau, Erdenfett, Korn und Wein die Fülle? All das, was Isaak im Segen verspricht, stellt sich für seinen Sohn Jakob so nicht ein, jedenfalls nicht direkt. Denn direkt im Anschluss an diesen Segen muss Jakob fliehen. Er hatte sich nämlich gegenüber seinem blinden Vater Isaak als sein älterer Bruder Esau ausgegeben und sich den Segen erschlichen.

Als Esau dahinterkam, wie Jakob ihn betrogen hat, war er ziemlich sauer. Er wollte sich rächen. Jakob blieb nur die Flucht - mit dann insgesamt 14 Jahren Frondienst bei einem entfernten Verwandten. Erst mit der Zeit stellte sich der Segen ein, den der Vater ihm verheißen hat. Segen ist eben keine Wunscherfüllungsmaschine und keine Zauberei, die Unmögliches möglich macht.

Segen ist auf den ersten Seiten der Bibel vor allem Fruchtbarkeit

Die Erzeltern Isaak und Rebekka waren Nomaden oder Halbnomaden. Sie lebten in Zelten und folgten ihren Herden auf der Suche nach guten Weiden. Der Tau des Himmels und das Fett der Erde, aber auch Korn und Wein, die die Nomaden oftmals eintauschen mussten, waren für sie der Inbegriff von Lebensqualität - so würde man das heute sagen. Wasser, Öl, Brot und Wein. Braucht man mehr zum Leben? Segen ist auf den ersten Seiten der Bibel zunächst und vor allem Fruchtbarkeit. In der Schöpfungsgeschichte heißt es:

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde. (1.Mose1,27f)

Der Segen der Elfenkönigin Galadriel

Segen ist Fruchtbarkeit. Auch in Tolkiens großem Romanwerk „Herr der Ringe“ gibt es solchen Segen. Der Gärtner Sam darf ihn am Schluss des Abenteuers in seine Heimat, das Auenland, bringen. Sam verdankt diesen Segen der Elfenkönigin Galadriel. Sie beschenkt ihn beim Abschied:

„Und für dich, du kleiner Gärtner und Freund der Bäume“, sagte sie zu Sam, „habe ich nur ein kleines Geschenk.“ Sie drückte ihm eine Schachtel von schlichtem grauem Holz in die Hand, ohne Verzierungen, bis auf eine einzige silberne Rune auf dem Deckel. „Hier steht ein G wie Galadriel“, sagte sie, „doch in eurer Sprache könnte es auch für ‚Garten‘ stehen. In der Schachtel ist Erde aus meinem Obstgarten, mit allem Segen, den Galadriel noch verleihen kann. Auf deinem Wege wird sie dir nicht helfen und dich vor keiner Gefahr schützen; aber wenn du sie bewahrst und am Ende deine Heimat wiedersiehst, könnte sie es dir lohnen. Solltest du auch alles dort kahl und verwüstet vorfinden, werden doch nur wenige Gärten in Mittelerde blühen wie der deine, wenn du diese Erde darauf verstreust.“

Tatsächlich bringt Sam dieses Kästchen unbeschadet durch alle Gefahren und ganz am Schluss krönt der Elfensegen das Abenteuer. Das heruntergekommene Auenland erblüht in nie gekannter Schönheit, die Ernten sind reichhaltiger als je zuvor. Und Sam selbst heiratet seine große Liebe Rosie und gründet mit ihr eine Familie.

Musik: Johan Wagenaar, Summer of Live op 21 (Nordwest-deutsche Philharmonie unter Antony Hermus)

Kinder sind ein Segen

Segen ist Fruchtbarkeit. Und Fruchtbarkeit ist Segen. Darin steckt eine tiefe und bleibende Wahrheit. Kinder sind ein Segen. Wenn nicht der Segen überhaupt. Als Vater dreier Kinder empfinde ich das so. Und zwei Enkel noch dazu. Sie sind Geschenk und Bereicherung. Und dafür gibt es in meinen Augen kein treffenderes Wort als Segen.

„Fruchtbar sein“ darf man schon lange nicht mehr biologistisch verstehen

Zugleich weiß ich, dass genau das seit alters her viel Leid und Schmach über Menschen gebracht hat - vor allem über Frauen, die keine Kinder bekommen konnten. Zum einen hätten immer schon auch zeugungsunfähige Männer im Blick gewesen sein müssen. Und zum anderen muss und darf man „Fruchtbar sein“ doch schon lange nicht mehr biologistisch verstehen. Frau wie Mann kann auch ohne Kinder fruchtbar sein, gesegnet und ein Segen sein. Das gilt übrigens auch für Tolkiens Werk. Denn dort wird der Gärtner Sam überstrahlt vom Ringträger Frodo. Dieser war ein noch größerer Segen und ebenso gesegnet. Doch Fruchtbarkeit im Sinne von Nachkommen zeugen spielt bei ihm gar keine Rolle.

Der Fortschrittsglaube der Neuzeit ist in weiten Teilen ein Segensversprechen - aber oft mit Schattenseiten

Was bei Tolkien die Magie der Elfen bewirkt, was in den frühen Bibeltexten als Gottes Segen Ausdruck findet, das versuchen wir Menschen inzwischen längst selbst in die Hand zu nehmen. Der Fortschrittsglaube der Neuzeit ist in weiten Teilen ein Segensversprechen, das Gott scheinbar nicht braucht.

Den Ertrag der Felder und Plantagen steigern wir Menschen enorm und ernähren inzwischen ein Vielfaches der damaligen Weltbevölkerung. Und auch für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben wir vielfältige Methoden, ihren großen Traum womöglich doch erfüllen zu können. Das ist für viele ein Segen. Menschengemachte Segnungen haben aber oft auch ihre Schattenseiten. Leider liegen da Segen und Fluch näher beieinander als uns lieb ist.

Musik: Bruce Montgomery, aus: Concertino for String Orchestra - 3. Satz: Vivace ed energico (Royal Ballet Sinfonia unter David Lloyd-Jones)

„Möge die Macht mit Dir sein!“  - Der Segenswunsch der Jediritter

„May the force be with you!“ „Möge die Macht mit Dir sein!“ So lautet der Segenswunsch der Jedi-Ritter in den Star Wars-Filmen. Sicherlich die medial erfolgreichste Segensformel der letzten Jahrzehnte. Wenn die Macht mit einer Kreatur ist, erlangt diese in den Star Wars-Abenteuern ungeahnte Präzision und Fähigkeiten, die sie anderen Mächten - technischer oder natürlicher Art - weit überlegen sein lässt. Und nur solche Kreaturen, in denen die Macht ebenfalls ungewöhnlich stark ist, können es mit anderen machtbegabten Kreaturen aufnehmen.

Macht hat immer eine helle und eine dunkle Seite

Und müssen es auch, denn Macht ist nicht einfach gut. Sie hat immer eine helle und eine dunkle Seite – und die Star Wars-Filme drehen sich um das Gleichgewicht der Macht. Die Macht hat in der Saga göttliche Eigenschaften. Ihr Konzept ist eher von fernöstlichen Vorstellungen wie Yin und Yang geprägt, weniger von jüdisch-christlichen. Obwohl: Letztlich soll das Gute in Star Wars ja doch siegen und die Oberhand behalten. Vielleicht ist gerade der Religionsmix dieser Filme einer der Gründe ihres weltweiten Erfolges.

Ein Jedi gehört auf die gute Seite der Macht

Wenn sich also die Jedis gegenseitig die Begleitung der Macht wünschen, dann meinen sie eigentlich: Möge die Macht mit dir sein und mögest du immer auf der guten Seite der Macht bleiben. Denn nur wer auf ihrer guten und hellen Seite ist, kann ein Jedi sein und bleiben. Sonst wird man ein Sith, also ein Gegen-Jedi - oder gar der böse Imperator selber.

Wut, Verzweiflung, Zorn und Hass gehören zur dunklen Seite der Macht

Auf die dunkle Seite der Macht führen Wut, Verzweiflung, Zorn und Hass. In der Bibel meint der Apostel Paulus: Überwindet das Böse mit dem Guten. Jesus selbst fordert von seinen Jüngerinnen und Jüngern, diejenigen zu segnen, von denen sie verflucht werden. Das klingt fast wie ein Rezept für den jungen Jedi Luke Skywalker, den der finstere Imperator durch Zorn und Wut auf die dunkle Seite der Macht ziehen will.

Musik: Erik Satie, Nocturne 3. Un peu movementé (Aldo Ciccolini, Klavier)

Was bewirkt es, wenn man segnet oder gesegnet wird?

Was bewirkt es, wenn man segnet oder gesegnet wird? Die Magie des Segens liegt nicht im Reich der Phantastik und Zauberei, auch wenn ich hier Beispiele aus der Fantasyliteratur und Science-Fiction aufnehme.

Segen in der Zauberwelt von Harry Potters

Wie Segen für mich selbst zuallererst wirkt, möchte ich an einer weiteren literarischen Figur verdeutlichen, diesmal aus den Harry Potter-Romanen. Ron Weasley ist der beste Freund von Harry Potter. Er träumt sein ganzes Leben davon, ein toller Quidditch-Spieler zu werden. Quidditch ist in der Zaubererwelt das, was hierzulande Fußball ist. Ron schafft es in die Quidditch Mannschaft als Torwart.

Leider zweifelt er ständig an seinen eigenen Fähigkeiten und lässt sich leicht von anderen beeinflussen. Seine Leistung als Keeper sinkt beständig. Und als die Gegner Spottgesänge über ihn erfinden, die in etwa lauten „Weasley ist unser King, der hält nicht ein einziges Ding“, ist es ganz um ihn geschehen. Er versagt auf der ganzen Linie. Wochen und Tage schleicht er deprimiert durch die Gänge.

Felix Felicitas - ein Zabertrunk, der alles glücken lässt

Am Morgen des nächsten Spiels bekommt er beim Frühstück keinen Bissen runter. Harry, sein bester Freund, beschließt zu handeln. Er ist im Besitz eines äußerst seltenen und kostbaren Zaubertranks namens Felix Felicitas. Ein Trank, der einfach alles glücken lässt. Wenn man ihn einnimmt, erreicht man sein Ziel, weil man einfach spürt, was zur richtigen Zeit dran ist.

Ron Weasley übertrifft sich selbst

Harry reicht Ron beim Frühstück einen Becher Kürbissaft. Ron hat aber gesehen, dass Harry irgendetwas in seinen Kürbissaft hineingetan hat. Das kann ja nur Felix Felicitas gewesen sein, folgert Ron. Und seine Laune bessert sich. Als dann plötzlich noch zwei Angstgegner ausfallen, ist es für Ron sonnenklar. Heute wird sein Glückstag! Er wirkt wie ausgewechselt. Fröhlich zieht er ins Spiel, hält jeden Ball, demoralisiert die Gegner, weil er auch die schwierigsten Bälle pariert. Er ist so gut, dass die Spottgesänge schließlich von den eigenen Fans umgedichtet werden frei zusammengefasst in „Weasley ist unser King, denn er hält jedes Ding“.

Hinterher stellt sich heraus: Es war kein Zaubertrank in Rons Kürbissaft. Harry hatte nur so getan. Ron kam nie in den Genuss von Felix Felicitas. Dennoch hat er sich selbst übertroffen.

Segen hat Magie und ist doch nicht magisch

Segen wirkt bei mir wie Felix Felicitas bei Ron. Jedes Mal, wenn ich für etwas gesegnet wurde, war es so. Damit meine ich ganz und gar nicht, dass Segen eine Art Placebo ist. Ich meine, Segen macht, dass ich mir endlich nicht mehr selbst im Weg stehe. Und ich kann die Situationen in meinem Leben nicht zählen, in denen ich mir selbst im Weg gestanden habe. Segen ist wie ein Wärmestrom, in dem ich mich anders und frei entfalten kann. Segen ent-zweifelt. Segen macht gelassen. Segen motiviert. Segen macht gewiss. Segen ist Kompass. Segen hat Magie und ist doch nicht magisch.

Man kann sich nicht selbst segnen

Was im Segen geschieht, scheint so einfach und ist doch auch komplex. Zunächst einmal kann ich mich nicht selbst segnen. Niemand kann das. Zum Segen gehört immer eine, die segnet, und eine, die gesegnet wird. Oder einer. Und die, die segnet, was tut sie eigentlich? Sie leiht Gott ihre Stimme und ihre Hände.

Aus eigener Kraft kann man nicht segnen, aus eigener Kraft kann man nur wünschen

Niemand, der segnet, kann für das garantieren, was er zusagt. Denn aus eigener Kraft kann man nicht segnen, aus eigener Kraft kann man nur wünschen. Das ist der Unterschied von Wunsch und Segen. Das Subjekt des Segnens ist immer Gott. Und als Empfänger des Segens bin ich immer passiv. Ich kann es vielleicht aktiv verhindern, gesegnet zu werden, aber ich kann nicht aktiv Segen herbeiführen oder gar erzwingen.

Segen ist immer ein Geschenk

Segen ist immer ein Geschenk. Oder es ist kein Segen. Sprichwörtlich heißt es zwar: „Sich regen bringt Segen“, aber das ist ein eher oberflächliches Segensverständnis, weil Segen hier einfach Synonym für Ertrag und berechenbares Ergebnis ist. Segen hat zwar immer mit gesteigertem Leben zu tun, aber das meint eher Qualität als Quantität. Und wo es Quantität meint, kommt der Segen durch Wachsen und Reifen und nicht durch Beschleunigung und Leistungssteigerung.

Musik: Jörg Reiter / Ack van Rooyen, Together

Segnen geht auch mit neun Fingern

Kurz nachdem ich mein Theologiestudium abgeschlossen hatte, verlor ich bei einem Sportunfall den Ringfinger an der rechten Hand. Als mir die Ärzte klarmachten, dass der Finger nicht zu retten ist, war in all dem Schmerz und der Konfusion mein erster Gedanke: „Du kannst nicht mehr segnen!“ Der Gedanke verwirrte mich und steigerte sich in diesen Minuten bis hin zu: „Du kannst nicht Pfarrer werden.“

Dazu muss man wissen, dass ein evangelischer Pfarrer zum Segen stets die Arme erhebt und Arme und Hände ausbreitet. Eine schöne, starke Geste, die mir sehr wichtig ist. Und da fehlte nun die Symmetrie, die Schönheit, was auch immer. Genau erklären kann ich es bis heute nicht, es war eben so. Und dennoch bin ich Pfarrer geworden. Und am Schluss eines jeden Gottesdienstes segne ich. Nicht mit zehn, aber immerhin mit neun Fingern und immer noch mit zwei Armen und Händen.

Der aaronitische Segen

Es sind die uralten Worte des aaronitischen Segens, die ich dann sprechen darf. Und sie faszinieren mich immer wieder aufs Neue.

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4. Mose 6, 24-26)

Manche Formulierungen klingen seltsam und sind nicht ohne weiteres zu verstehen

Diesen alttestamentlichen Priestersegen hat Martin Luther liturgisch für die evangelischen Gottesdienste eingeführt. Und für mich ist es der Segen. Manche Formulierungen darin klingen seltsam, altertümlich und sind nicht ohne weiteres zu verstehen. Und auch wenn ich Segen nicht allein mit dem Verstand begreifen kann, hilft es doch zu wissen, was da eigentlich gemeint ist und zugesprochen wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich.

Der Segen wendet sich hier an den Einzelnen, an ein Du. Das meint, Gott gewährt Dir Leben, Glück und Gedeihen. Gott gewährt ebenso Schutz und geht mit, begleitet. Und dieser segnende Gott ist nicht irgendein Gott, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi; der, der sich Mose im brennenden Dornbusch mit den Worten „Ich werde sein, der ich sein werde“ offenbart hat. Oder anders übersetzt “Ich bin, der ich bin“.

Da kann dann für Gott auch „sie“ stehen, etwa „die Ewige“ oder „Mutter“. Denn all diese Wesenszüge hat der segnende Gott genauso.

 Unsere Bezeichnungen als „HERR“ oder „Vater“ sind ja ebenfalls nur geprägte Bilder für einen persönlich zugänglichen Gott. Ein Gott, der Welt und Menschen erschafft und nur Mann und Vater ist, wäre nicht Gott.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig.

Das klingt schön. Und die Vorstellung darin ist die eines Menschen, der sich einem anderen freundlich zuwendet und sich freut und strahlt, weil er sein Gegenüber kennt und mit dem Herzen versteht. Im alten Orient „leuchtet“ ein freundliches Gesicht, wo wir sagen würden, es „strahlt“.

Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich.

Lange habe ich nicht verstanden, wieso das Angesicht nochmal vorkommt im Segen. Dass Gott sein Angesicht auf einen Menschen hebt, ist eine Vorstellung aus der antiken Gerichtswelt. Der Richter erhebt sein Angesicht normalerweise nicht. Er schaut nicht auf, denn er ist unbestechlich und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person. Wenn er aber Vergebung gewährt, dann erhebt er sein Angesicht und sieht denjenigen an, dem er vergibt und dem er Gnade gewährt. Dieser Segensteil, der nochmal vom Angesicht spricht, heißt: Gott sieht mich, wie ich bin: in aller Unzulänglichkeit, ja aller Schuld; und vergibt mir, begnadigt mich. Gottes Angesicht, das sich erhebt, ist wie die aufgehende Sonne.  

Und schenke Dir Frieden.

Wo wir „Frieden“ sagen, steht eigentlich „Schalom“. Und Schalom ist nicht steigerungsfähig. Das ist nicht nur Waffenstillstand, sondern Friede und Heil, Wohlergehen und Gelassenheit, Ruhe und Heimat. Segen in Fülle.

Einen gesegneten Sonntag! Schalom!

 

 

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