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Alzheimer

Alzheimer

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von Michael Tönges-Braungart, Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

Alzheimer – allein der Name der Krankheit genügt, um vielen einen Schrecken einzujagen. Davor haben viele Angst: Dass die geistigen und körperlichen Fähigkeiten unaufhaltsam nachlassen; dass sie nach und nach komplett die Erinnerung verlieren; das sich die eigene Persönlichkeit so verändern und dass sie am Ende völlig auf Pflege angewiesen sein könnten. Demenzerkrankungen wie Alzheimer sind zur Volkskrankheit geworden. „Jaja, Alzheimer…“, wird manchmal scherzhaft gesagt, wenn jemand etwas vergessen hat. Dabei ist diese Krankheit nun wirklich nichts zum Lachen. Aber manchmal versucht man sich die Angst eben mit Humor vom Leibe zu halten.

Vor 150 Jahren wurde der Arzt Alois Alzheimer geboren, der diese Erkrankung des Gehirns als erster erforscht und nachgewiesen hat und dessen Namen sie inzwischen trägt. Bis heute gibt es keine Möglichkeit, sie zu heilen. Allenfalls  verlangsamen kann man sie. Umso wichtiger ist es, die Kranken angemessen zu begleiten, ihnen eine sichere, stabile und beschützende Umgebung zu bieten. Und mindestens genauso wichtig ist es, sich um die Angehörigen zu kümmern. Denn viele Alzheimerkranke werden zu Hause gepflegt. Und zu den körperlichen Belastungen kommen für die Pflegenden  die seelischen dazu.

„Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“ Dieses Gebet steht schon in den Psalmen in der Bibel (71, 9). Der Beter weiß: Gott hat mir in meinem Leben geholfen und mich gestärkt. Deshalb hofft er, dass Gott auch dann für ihn da sein wird, wenn seine Kräfte nachlassen sollten. Solch ein Gebet mit einem Alzheimerkranken oder für ihn zu sprechen, ist das eine, was Christen tun können. Oder vertraute Psalmworte oder Liedverse zu wiederholen, die ihn vielleicht  durch seine Verwirrung erreichen.

Genauso wichtig ist es aber, für die Kranken und ihre Angehörigen da zu sein. Diakoniestationen tun das landauf, landab  mit fachlich qualifizierter Pflege. Und darüber hinaus auch dadurch, dass sie die Kranken zu Demenzcafés einladen und den Angehörigen so ein paar freie Stunden in der Woche ermöglichen. Als Pfarrer auf dem Dorf habe ich zudem erlebt, wie wichtig und selbstverständlich Nachbarschaftshilfe sein kann – auch für Demenzerkrankte und ihre Familien. Kirchengemeinden laden zu  Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige ein und haben Besuchsdienste eingerichtet, in denen sich viele Ehrenamtliche engagieren. Kirche und die Diakonie setzen sich zusammen mit anderen Organisationen dafür ein, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Pflege verbessert werden, gerade auch für Demenzkranke.

Professionelle Pflege, seelsorgerliche Begleitung und politisches Engagement gehören  zusammen. Denn wie sozial und wie gerecht eine Gesellschaft ist, entscheidet sich vor allem daran, wie sie mit ihren schwächsten Gliedern umgeht.

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