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Die Wirklichkeit passt in kein Bild
Pixabay/skeeze

Die Wirklichkeit passt in kein Bild

Claudia Sattler
Ein Beitrag von

Claudia Sattler,

Evangelische Pfarrerin, Herborn
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Mein Kollege zeigt auf ein Foto von mir und sagt: „Auf dem Bild siehst du dir gar nicht ähnlich.“

Schade denke ich, mit dem Foto wollte ich mich in der Kirchengemeinde vorstellen und finde es ganz hübsch. Da war ich gerade beim Friseur und ich lächle doch ganz freundlich. Und darauf erkennt er mich also nicht.

Woran erkennt man mich denn dann? Wie muss ein Foto aussehen, damit es mir ähnlich sieht? Das weiß ich selbst nicht so genau. Aber ich weiß, woran ich andere erkenne: Larissa spricht immer mit den Händen, Jan kann der Schalk so richtig aus den Augen blinzeln, und wenn Thorsten nachdenkt, legt er den Kopf schief – so wie nur er das kann. Aber auf Fotos sieht man das eigentlich nie.

Was uns ausmacht, passt anscheinend nicht aufs Bild. Jedes Foto ist nur ein Schnappschuss, nur ein klitzekleines Stück der riesigen Wirklichkeit.

Das geht mir auch jedes Jahr bei den Urlaubsfotos so: Das Meer war doch viel blauer, die Berge waren noch höher und die Blumen viel bunter. Auf den Bildern fehlen die Geräusche, die Düfte, die Gefühle. Das, was den Urlaub so besonders schön gemacht hat, kann man auf den Bildern gar nicht sehen. Ein Bild zeigt nie die ganze Wirklichkeit.

Vielleicht steht ja deshalb in den 10 Geboten: Du sollst dir kein Bild von Gott machen. Denn er passt auch nicht in ein Bild. In Wirklichkeit ist er noch viel größer, viel herrlicher, viel weiter und viel bunter, als wir uns das vorstellen können.

Kein Bild kann die Wirklichkeit so richtig fassen.

Und mein Foto? Wir haben es dann doch genommen. Aber wer sich wirklich ein Bild von mir machen will, der muss mir begegnen und mich kennen lernen. Das ist übrigens bei Gott ganz genauso.

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