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Sie staunen nicht schlecht
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Sie staunen nicht schlecht

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Sie staunen nicht schlecht, als sie das Testament aufmachen. Eine unbekannte Sekretärin war gestorben, in New York, mit 96 Jahren. Was soll die schon hinterlassen. Dann staunen sie nicht schlecht. Die Unscheinbare hinterlässt umgerechnet über 5 Millionen Euro für Bedürftige ihrer Stadt (SPON_9.5.2018). Das Geld hatte sie angesammelt. Wenn ihr Chef Aktien kaufte, kaufte sie auch ein paar. Nur für sich. Jahrzehntelang. Das Geld wurde immer mehr. Auch Freunde und Bekannte bekamen etwas vom Erbe. Das meiste aber bekamen Obdachlose und andere ohne Geld.
Man staunt nicht schlecht über so viel Geist. Überall gibt es Menschen mit solch einem Geist - für andere. Ich habe genug, sagen sie sich; ich lege etwas beiseite für die, die wenig haben oder nichts. Ich bin gesichert, wissen sie; jetzt will ich andere absichern. Die Zukunft ist anstrengend, wenn man nicht vorsorgen kann.
Stille Menschen können mehr Geist haben, als man denkt. Sogar Heiligen Geist. Wie die Sekretärin. Man muss nicht von Gott reden, wenn man Heiligen Geist hat. Der an andere denkt, sich um sie sorgt. Jahr um Jahr etwas beiseitelegt, um Gutes zu tun. Ohne Ruhm dafür zu ernten. Den wollte die alte Dame nicht. Sie bleibt still; bis zu ihrem Tod. Aber dann - öffnet sich das Füllhorn ihrer Gnade. Essen für andere, Ausbildung, neue Kleider. Geld für die Ferien der Kinder. Eis essen für Arme, eine Stunde Fröhlichkeit. Was man so macht mit Geld, das einem geschenkt wird. Man gibt es aus für Schönes, das dem Leben hilft. Und Gott gibt seinen Segen dazu.

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