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Fritz, der sich Mut borgt
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Fritz, der sich Mut borgt

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Es war sein größter Wunsch: beim Großvater zu sein. Opa ist nämlich sein Vorbild. Als Fritz vierzig ist, zieht er deswegen ins Dorf seines Großvaters.

Fritz zieht in das Dorf seines Großvaters

In die Nähe des Friedhofs, auf dem Opa liegt. Seit über siebzig Jahren liegt er dort. Der Grabstein aber sieht aus wie neu, dafür hat Fritz gesorgt. Auf dem Stein steht nicht nur Opas Name, sondern auch ein Satz aus der Bibel. Da steht: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelg. 5,29b)

Opa war ein Held

So war er, der Opa. Damals, im sogenannten Dritten Reich. Opa gehorchte meist nicht dem, was ihm befohlen wurde. Er hörte auf Gott. Als man zwei Juden im Dorf verraten sollte, versteckte er sie. Hinter der Kellerwand. Opa wollte kein Held sein; er war aber einer. Bis er dann selber verraten wurde. Und im Gefängnis starb. Mit Ende vierzig.

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"

Ein richtiges Grab gibt es erst nach dem Krieg. Mit dem schlichten Grabstein. Und dem Satz: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darum geht es mir, sagt Fritz. Und zieht aufs Dorf. In die Nähe des Friedhofs. Weil er sich manchmal Kraft borgen muss. Und Mut. Dann geht er zum Grab seines Opas.

Fritz kannte den Großvater gar nicht

Einmal die Woche geht Fritz dahin. Nur die Straße entlang, schon ist er am Grab. Er stellt dann Pflänzchen hin oder bringt ein paar Blumen mit. Wenn das Wetter gut ist, bleibt er eine Weile am Grab stehen und schaut vor sich hin. Er kannte den Opa ja gar nicht. Nur seine Geschichte der Tapferkeit. Die hat man ihm erzählt lange nach dem Krieg.

Fritz borgt sich vom Großvater ein bisschen Mut

Oft ist das nicht leicht mit der Tapferkeit. Dazu braucht man Mut. Auch Fritz braucht den. Weil er auf Gott hören will. Das ist nicht immer einfach in seinem Beruf. Er leitet eine kleine Firma. Da will Fritz möglichst liebevoll sein, nicht herrisch; er will achten statt verachten und lieber teilen als zu viel festzuhalten. Wie Opa. Von dem hörte man kein hässliches Wort, heißt es. Nicht mal über die Bösen im Dorf. Menschenwohl war ihm viel wichtiger. Daran denkt Fritz, wenn er am Grab steht. Und borgt er sich ein bisschen Mut. Schaut auf den Namen des Opas. Genießt Sonne und Wind; zur Not auch Regen. Und sagt leise vor sich hin: Gott mehr gehorchen als Menschen.

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