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Zusammenstehen gegen Hass (zum Angriff in Halle)
Foto: pixabay / hurk

Zusammenstehen gegen Hass (zum Angriff in Halle)

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Pastoralreferentin im Refugium für Mitarbeitende in Caritas und Pastoral des Bistums Limburg
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Es hat mich total bewegt und bewegt mich weiter: Der brutale Anschlag in Halle gestern Mittag erschüttert mich immer noch. Da hat ein Mann mit rechtsextremen Hintergrund versucht, mit brachialer Gewalt in die Synagoge in Halle einzudringen, in das Gebetshaus der jüdischen Gemeinde: Mit Schüssen und Sprengsätzen: Und das am höchsten Feiertag der Juden, an Jom Kippur, dem Versöhnungstag: Ein Tag zum Fasten und Beten, wo aller Streit und Hass beigelegt sein soll. Was müssen die Leute in der Synagoge für eine Angst gehabt haben – und das in Deutschland, mit unserer Geschichte des Holocaust.  Auf dem Weg erschießt er zwei Menschen, die wahrscheinlich gar nichts damit zu tun haben .Zwei andere werden schwer verletzt. Ich muss immer wieder an sie denken, und an ihre Familien. 

Der Täter filmt das Ganze und stellt es in Netz. Gott sei Dank ist er festgenommen worden.

Mich beschäftigt aber auch sehr, was dieser Anschlag bei mir, bei uns bewirkt: ja, ich bin fassungslos und auch wütend. Aber ich will nicht bei der Wut oder gar beim Hass stehen bleiben. Die bewirken nie etwas Gutes, da bin ich sicher.

Aber was dann? Ich will versuchen, mich an das zu halten, wozu mein Gott mich aufruft. Zu Liebe und Versöhnung und Barmherzigkeit. Und der Glaube an diesen Gott der Liebe verbindet uns: Christen, Juden und auch Muslime. Deswegen finde ich so wichtig, was die Leute in Halle und an vielen Stellen in Deutschland tun: Sie stehen den Opfern und ihren Familien bei, mit Blumen, mit Kerzen und zeigen: Wir sind bei Euch. 

Und dann hat mich sehr beeindruckt: Eine Freundin von mir ist gestern Abend spontan an die Synagoge in ihrer Stadt gefahren, um den jüdischen Mitmenschen zu zeigen: Ich bin da, ich stehe an eurer Seite. Auch vielen anderen Orten gab es spontan Mahnwachen vor den Synagogen, zum Beispiel in Frankfurt.

Ich glaube, das ist die wichtigste Reaktion: Dass wir denen, die angegriffen werden, ganz konkret hier unseren jüdischen Mitmenschen, zur Seite stehen, sie nicht alleine lassen. Und damit auch dem Täter und möglichen Sympathisanten zeigen: Wir lassen uns euren Hass nicht aufzwingen, wir stehen ein für Liebe und Respekt, wir wollen die Würde und das Lebensrecht aller achten und schützen. Und das können wir alle tun – jeden Tag: In der Straßenbahn bei einem blöden Spruch widersprechen. Beim Einkaufen oder in der Nachbarschaft: Dass wir einstehen für Liebe und Respekt, für die Würde und das Lebensrecht von allen Menschen hier bei uns. 
 
 

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