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Grenzgänge zwischen Himmel und Erde
Bild: Christine Schmidt/Pixabay

Grenzgänge zwischen Himmel und Erde

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar
Ein Beitrag von

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar,

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel
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Als ich 19 Jahre alt war habe ich in Kanada gelebt. Ich erinnere mich noch an den Tag, als ich in Vancouver über eine hohe Brücke gefahren bin. Es war Sommer und das Radio spielte gute Musik. Aus dem Auto heraus sah ich etwas sehr Beeindruckendes: Auf der rechten Seite fand eine Beerdigung statt. Auf der linken Seite eine Hochzeit. Sie konnten sich gegenseitig nicht sehen, aber ich konnte beides aus dem Auto heraus sehen.
Eine Hochzeit und eine Beerdigung zur selben Zeit in unmittelbarer Nähe. Den Anblick habe ich nicht vergessen.

Freud und Leid liegen oft nah beisammen

Heute denke ich: Genauso ist das Leben. Manchmal ist das Leiden ein Atemholen zur Freude.
Freud und Leid liegen nah beisammen und geschehen oft gleichzeitig.

Zum Beispiel stirbt der Großvater und die ganze Familie ist traurig. Und dann Wochen später bekommt die Enkeltochter einen Sohn. Dann ist beides da: Trauer über den Tod und Freude über das neue Leben.

Auch der Glaube an Gott bewahrt nicht vor Leid

Auch der Glaube an Gott bewahrt einen nicht vor Schmerz und Verlusten.
Auch über guten Menschen scheint nicht nur die Sonne, sondern manchmal ist es dunkel und regnet.
Eigentlich sind wir Menschen Grenzgänger zwischen Freud und Leid, zwischen Tod und Leben, zwischen Himmel und Erde.

Unsere Rolle als Grenzgänger

Auf diese Rolle der Grenzgänger bereitet uns keiner vor, denn Tod und Leiden werden in unserer Gesellschaft oft tabuisiert. Oder es ist wenig Zeit darüber nachzudenken. Viele sind damit beschäftigt, ihren Alltag zu bewältigen und den beruflichen Anforderungen zu genügen.
Doch ist es so wichtig, nicht nur miteinander Spaß zu haben, sondern auch zu lernen miteinander zu trauern.

Gott ist bei unseren Grenzgängen dabei

Mitten im Schweren kann Neues erwachsen. Auch in der Trauer können wir Tröstende werden für andere. Das ist wie ein Kreislauf – ich werde getröstet und kann zum Trost für andere werden. Das kann genauso auch zwischen uns und Gott sein, denn ich glaube, dass Gott mitten bei uns ist auf unseren Grenzgängen zwischen Himmel und Erde. Er ist bei uns in unseren Ängsten und auch wenn wir uns von Herzen freuen.

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