Von Marmor, Stein und Eisen

Von Marmor, Stein und Eisen

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von Rüdiger Kohl, Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim

„Marmor, Stein und Eisen bricht. Aber unsere Liebe nicht. Alles, alles, alles geht vorbei. Doch wir sind uns treu.“ Dieses Lied machte ihn zur Legende: Drafi Deutscher. Wer kennt ihn nicht, diesen Schlager aus dem Jahre 1965. Damals ein Riesenerfolg. Und bis heute populär. Der Schlager hat seinen Sänger überlebt. Heute vor zehn Jahren starb Drafi Deutscher in der Frankfurter Uniklinik.

Wie in vielen Schlagern geht es auch in seinem größten Hit um die großen Gefühle. Um die Sehnsucht nach Liebe und dass sie nicht enden soll. Um die Fragen: Was gibt Halt im Leben? Und: Was bleibt von einem Leben? Drafi Deutschers Leben verlief alles andere als geradlinig. Musik lag ihm im Blut. Sein Vater war Konzertpianist aus Ungarn. Er verließ die Familie früh, und Drafi Deutscher wuchs in kleinen Verhältnissen auf. Unbeirrt verfolgte er sein Ziel, erfolgreicher Musiker zu werden. Das sollte ihm gelingen: In den sechziger Jahren schaffte er einen geradezu märchenhaften Aufstieg aus ärmsten Verhältnissen zum Schlagerstar.

Was ihm sein ganzes Leben lang Halt gab, war sein Glaube. Er sang nicht nur Schlager, sondern auch Gospelsongs. Auf seine Lieblingsstelle aus der Bibel angesprochen, sagte er: „Besonders der Abschnitt, in dem es heißt: ‚Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.‘“ Das hat Jesus gesagt. Als eine Ehebrecherin für ihre Vergehen gesteinigt werden sollte und er sich zwischen sie und die aufgebrachte Menge stellte. Jesus hielt zu der Frau. Er hat gesagt: Diese Frau hat falsch gehandelt Aber ihr alle macht schwere Fehler. Schaut ehrlich auf euer Leben und verurteilt andere nicht vorschnell.

Nach seinem großen Erfolg glich Drafi Deutschers Leben einer Achterbahn. Er eckte häufig an und wurde zum Enfant terrible. In einem Interview blickte er zurück: „Früher verdiente ich 45 DM pro Woche. Von einem Tag auf den anderen bekam ich 1.500 DM am Abend für drei gesungene Titel. Da gerät man ganz automatisch in irgendeinen Rausch“. Im Rausch machte er viele Fehler: Alkohol- und Drogenexzesse, Ärger mit dem Finanzamt. Einmal wurde er wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

„Marmor, Stein und Eisen bricht. Aber unsere Liebe nicht?“ Für Drafi Deutscher galt das nicht. Zwei Ehen gingen schief. All das legte seine Karriere teilweise auf Eis. Doch er fand immer wieder Menschen, die ihn nicht auf seine Eskapaden festnagelten. Die an seine Fähigkeiten als Musiker glaubten. Ihm eine zweite Chance gaben. So konnte er immer wieder Erfolge feiern.

Mir bleibt von Drafi Deutscher vor allem Respekt, wie ehrlich er auf sein Leben geblickt hat. Vieles in seinem Leben ist zerbrochen. Doch er hat dazu gestanden. In einem Interview sagte er einmal: „Ich bin einer, der keine Schwierigkeit damit hat, seine Fehler zuzugeben. Ich bin einer, der immer bereit ist, wenn er jemand verletzt hat, sich dafür zu entschuldigen. Und ich bin keiner, der über Leichen geht – niemals im Leben gewesen.“

Und zum anderen bleibt natürlich ein Evergreen, den man noch in vielen Jahren kennen wird. „Marmor, Stein und Eisen bricht.“ Wie heißt es da? „Weine nicht, wenn der Regen fällt. Es gibt einen, der zu dir hält.“ Für Drafi Deutscher war klar, wer dieser Eine war.

Weitere ThemenDas könnte Sie auch interessieren