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Noch einmal heiraten
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Noch einmal heiraten

Daniel Lenski
Ein Beitrag von

Daniel Lenski,

Evangelischer Pfarrer, Königstein-Falkenstein
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Der Heiratsantrag von Donald Kerr für seine Margret war etwas ganz Besonderes. Nicht etwa, weil er ihn an einem spektakulärem Ort gemacht hat oder vor großem Publikum, sondern weil die Umstände ganz besondere waren. Denn Donald ist 86 Jahre alt lebt und in einem Seniorenheim in der Nähe von Liverpool. Donald Kerr hat Demenz. An einige Begebenheiten in seinem Leben kann er sich noch gut erinnern. An andere so gut wie gar nicht mehr. 

Im letzten Jahr sprach ganz England über die königliche Hochzeit zwischen Prinz Harry und Meghan Markle. Natürlich auch die Bewohner des Seniorenheims, in dem Donald lebt. Als es ständig um das Thema Hochzeit ging, kam Donald auf die Idee, die Frau zu heiraten, die immer an seiner Seite ist und sich liebevoll um ihn kümmert. Mit klopfendem Herzen fragte er Margret, ob sie seine Frau werden wolle.
Diese Frage trieb Margret die Tränen in die Augen. Sie wusste, wie viele Gefühle Donald dazu bewegten, um ihre Hand anzuhalten. Allerdings: Donald und Margret waren bereits verheiratet. Seit 25 Jahren sind die beiden ein Paar. Geheiratet haben sie allerdings erst vor neun Jahren, als sich erste Anzeichen seiner Demenz einstellten. Deshalb konnte sich Donald zwar an viele gemeinsame Momente mit Margret erinnern, aber nicht mehr an die Tatsache, dass die beiden bereits verheiratet waren.

Für mich ist diese Geschichte besonders, weil sie etwas von der großen Zuneigung zweier Menschen erzählt. Die beiden haben unheimlich viele schöne Momente erlebt, aber auch schwierige Zeiten miteinander durchgestanden. Geheiratet haben sie zu einem Zeitpunkt, als Margret schon erahnen konnte, welche anstrengende Aufgabe auf sie als Donalds Partnerin zukommen würde. Denn die Demenzerkrankung kannte sie ja. Inzwischen schafft sie es allein schon lange nicht mehr, sich um ihn zu kümmern. Und doch ist sie bis heute an seiner Seite.

Das Beispiel von Donald und Margret macht mir Mut, an die Kraft der Liebe zu glauben. Eine Liebe, die auch durch schwere Zeiten trägt. Ich selbst bin seit etwas mehr als einem Jahr verheiratet. Das Leben hat es bisher gut mit uns gemeint, auch gesundheitlich. Ich kann mir nur wünschen, dass das gemeinsame Band, an dem meine Frau und ich weben, stark genug sein wird, um auch in solchen schwierigen Momenten zu halten, die heute noch niemand vorhersehen kann. Genau das wird uns bei der kirchlichen Hochzeit ja zugesprochen: Gott begleitet uns – in den wundervollen wie auch in den schwierigen Momenten.
Donald und Margret haben sich übrigens tatsächlich noch einmal ein Ja-Wort gegeben. Der anglikanische Altenheimseelsorger hat den beiden angeboten, ihr Eheversprechen noch einmal zu erneuern. Das erinnerte ein wenig an die Feier, die manche Menschen zu ihrer Silbernen oder Goldenen Hochzeit begehen. Fast alle Bewohner des Seniorenheims waren gekommen, um dabei zu sein. Die Musik und die besondere Atmosphäre halfen auch vielen von ihnen, sich an ihre eigene Hochzeit vor vielen Jahrzehnten zu erinnern. Und selbst wenn Donalds Erinnerung nicht mehr so weit zurückreicht – sein „Ja“ an diesem Tag kam von ganzem Herzen. 

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