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Ja, aber ...
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Ja, aber ...

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Ich lerne Manuela während einer Fortbildung kennen. Manuela hat gerade einen neuen Job angefangen. „Es gefällt mir dort“, sagt sie, „aber ich werde mit den Kollegen nicht warm. Sie sind freundlich, aber wenig motiviert. Mein Vorgesetzter nimmt sich für mich Zeit, aber man merkt: Er bereitet sich innerlich auf den Ruhestand vor. Meine Mitarbeiterin nimmt meine Vorschläge zwar an, aber scheitert an der Umsetzung.“ Die Seminarleiterin unterbricht Manuela und bittet sie, noch einmal von vorne zu beginnen. Dabei soll sie nicht das Wort „aber“ verwenden. Manuela ist erst irritiert. Dann beginnt sie von vorn.

Mir geht es auch oft so wie Manuela. Ich sage etwas Positives und schiebe schnell ein „aber“ hinterher – Das ist eine sichere Methode, mit der man nicht nur sein Leben schlechtreden, sondern auch Menschen herabsetzen kann.

Die Wörtchen „ja, aber“ sind aus Jesu Mund nicht überliefert. Wenn Jesus zum Beispiel sagt: „Ich besuche jetzt Zachäus, den Zolleintreiber“, dann sind es die anderen, die einwenden: „Ja, aber das geht doch nicht! Zachäus ist kein guter Mensch. Der lügt und betrügt, wo er nur kann. Der wirtschaftet in die eigene Tasche. Mit so jemandem kannst du dich nicht unter einem Dach aufhalten, geschweige denn an einen Tisch setzen.“
Jesus lässt sich von diesen Einwänden nicht beirren. Er geht und besucht Zachäus. Und Zachäus spürt: Hier meint es jemand gut mit mir, ohne wenn und aber. Das fühlt sich so gut an, dass Zachäus beschließt, sein Leben zu verändern und noch einmal neu anzufangen.

Auch Manuela beginnt noch einmal von vorn. Sie spricht nun in kurzen Sätzen, ohne diese gleich wieder zu relativieren. Es ist gar nicht so leicht. Nach und nach verändert sich ihre Sprache. „Meine Kollegen sind freundlich. Sie suchen das Gespräch mit mir. Sie hören, was ich sage. Vielleicht sollte ich ihnen etwas mehr Zeit geben“, schließt Manuela und ist überrascht. Nicht nur ihre Sprache hat sich verändert. Sie strahlt. „Ich habe einen ganz neuen Blick auf das Team gewonnen!“

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