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Werden wie Kinder
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Werden wie Kinder

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Kinder sind hinreißend, manchmal. Nicht nur im Karneval oder zur Fastnacht. Sogar in der Schule haben sie oft eine Phantasie, die Erwachsene kaum haben. Neulich zum Beispiel fragt die Lehrerin in der 4. Klasse, in der alle Religionen vertreten sind: Gibt es jemanden, den ihr nicht leiden könnt, den ihr so richtig hasst? Erst große Stille. Dann meldet sich ein Junge und sagt: Unseren Hausmeister hier in der Schule, den hasse ich. Der hat den Automaten mit Süßigkeiten so hoch aufgestellt, dass die Kleinen nicht drankommen. Großer Jubel. Alle Kinder stimmen zu. Die Lehrerin ist verdutzt. Dann fährt sie mit ihrem Unterricht fort und sagt: Schaut jetzt bitte mal in eure heiligen Bücher, was man gegen den Hass tun kann. Die einen von euch schauen in den Koran, die anderen in die Bibel oder in die jüdische Bibel Tanach. 

Los geht die Blätterei. Mit Eifer. Soweit die Kinder schon wissen, wo sie suchen müssen, lesen sie. Andere blättern etwas lustlos. Nach einiger Zeit will die Lehrerin das Thema beenden und fragt: Na, was habt ihr gefunden? Was sagen die heiligen Bücher? Wieder ist es eine Weile still, dann meldet sich ein Mädchen und sagt: Ich weiß, was hilft. Ich würde alle drei Bücher aufeinanderlegen: Bibel, jüdische Bibel und Koran. Wenn ich dann da draufsteige, bin ich groß genug für den Automaten mit Süßigkeiten.

Die Lehrerin schluckt, die Kinder sind begeistert. Endlich wissen sie, warum es gut ist, dass ihre heiligen Bücher so dick sind. Und wenn Gott das hört, ist er auch begeistert; und lacht  bestimmt wie ein Kind.                     

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