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Dem Abschied eine Heimat geben
GettyImages/Yaraslau Saulevich

Dem Abschied eine Heimat geben

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen
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Ich habe einen Satz von einem Beerdigungsunternehmer übernommen. Er geht so: Dem Abschied eine Heimat geben. Man braucht einen würdigen Ort, an dem man eines verstorbenen Menschen gedenkt. Dem Abschied eine Heimat geben. Das ist bei uns oft eine Kirche, der Friedhof oder auch ein ausgewählter Platz im Wald, an dem auf würdige Weise die Urne beigesetzt wird, Friedwald oder Ruheforst.

Wir brauchen einen Ort für unsere Trauer

Wenn wir dem Abschied Heimat geben wollen, brauchen wir einen Ort. Da findet die dankbare Erinnerung an einen Menschen ihren Platz. Wie sehr wir ein Ritual der Trauer brauchen, ist mir bewusst geworden, wo wir es jetzt vermissen. Wenn ich in der Zeitung die Todesanzeigen lese, steht in fast allen: Die Beisetzung hat schon stattgefunden. Oder wird nur im engsten Familienkreis geschehen. Mein Verstand sagt: Das ist unter den gegebenen Umständen richtig. Aber mein Gefühl ist verletzt, meine Trauer um einen Menschen verliert ihren Ort.

Was mit der eigenen Trauer tun, wenn man nicht zur Beerdigung kann?

In unserem Dorf ist ein Mann gestorben. Er war bei vielen beliebt durch seine freundliche, zugewandte und hilfreiche Art. Da wäre ich gerne zur Beerdigung mitgegangen und ganz viele Menschen des Dorfes auch, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nun geht das nicht; was soll ich in meiner Trauer tun?

Einen Brief an die Familie schreiben

Ich habe mich entschieden, einen Brief an seine Familie zu schreiben. Da stehen ein paar Gedanken drin der Erinnerung, der Wertschätzung, des Gedenkens.

Wenn ich an jemanden denke und die Gedanken aufschreibe, dann ist der noch wichtig für mich und nicht weg, als hätte es ihn nie gegeben. Vielleicht ist es ein Schatz, den wir wiederentdecken: Schreib einen Brief, und wenn’s geht, schreib mit der Hand.

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