Joan Miró
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Joan Miró

Tanja Griesel
Ein Beitrag von Tanja Griesel, Evangelische Pfarrerin, Fritzlar

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle habe ich mir die Bilder des spanischen Malers Joan Miró angesehen. Miró ist bekannt für seine großformatigen abstrakten Werke und eben auch für den großzügigen Einsatz der Farbe Blau. Er wählt die Farbe, weil sie ihn an die Mauern der katalanischen Bauernhöfe seiner Heimat erinnert. Auf so einem Bauernhof ist er selbst groß geworden. Er hat ihn in einem Gemälde verewigt. Es ist das Herzstück der Ausstellung. Ich stehe staunend davor und fühle mich wie ein Kind, das ein Wimmelbild betrachtet. Es gibt so viele kleine Details zu entdecken: Hof, Haus, Stall, Garten, große und kleine Tiere, allerlei Pflanzen und Arbeitsgerät, selbst Gräser, Insekten und sogar Samen macht er sichtbar. Obwohl an den Gebäuden der Zahn der Zeit nagt, wimmelt es auf dem Hof vor Leben. Das Kraftzentrum liegt in der Mitte, dort wo ein riesiger Eukalyptusbaum wächst. An der Stelle, wo eigentlich die Wurzeln sein müssten, befindet sich ein schwarzer Kreis. Ich betrachte diesen Baum immer wieder.

Ein Mensch ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen – So poetisch steht es in einem Lied im Alten Testament (Psalm 1,3). Wie Bäume brauchen auch Menschen Wurzeln, die bis zum Wasser reichen und daraus Nahrung ziehen. Manchmal reicht es nur für die Grundversorgung, und manchmal fließt so viel Lebenselixier durch unsere Wurzeln, dass wir regelrecht aufblühen.
Miró macht diese unterschiedlichen Erfahrungen im Leben. Wie im Gemälde „Der Bauernhof“ kann er sowohl die schönen Dinge, als auch die dunklen fleckigen Stellen integrieren und verarbeiten. Er hat Hunger erlebt und Kriege. Und diese Phasen spiegeln sich in seinen Werken.

Miró schöpft aus seinen katalanischen Wurzeln. Daraus zieht er Kraft. Und wir? Woraus ziehen wir unsere Kraft? Vielleicht aus der Familie, die uns Rückhalt gibt. Vielleicht aus dem Beruf, in dem ich aufblühe. Oder einer Sportart, die mich stärkt. Und dann gibt es noch eine besondere Nahrung, die unsere Wurzeln speist: Ich nenne sie Gottvertrauen. Wo ich auf Gott vertraue, fühle ich mich stark wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen.

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