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Die Macht des Schlüssels
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Die Macht des Schlüssels

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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Schlüssel haben mich schon immer fasziniert! Besonders alte Schlüssel haben es mir angetan, weil sie selten geworden sind. Für viele Kirchentüren gibt es nur ein Exemplar davon. Es ist schwierig, sie nachmachen zu lassen. Vielleicht soll es auch so sein, damit nur einer den Zugang verschaffen kann. Schade eigentlich!

Der Schlüssel ist auch ein Symbol für den Zugang zu anderen Menschen. Jeder Mensch ist anders. Für jeden braucht man einen eigenen Schlüssel, um zu seinem Herzen zu gelangen. In der Bibel fällt Jesus auf durch seine besondere Art Menschen zu erreichen. Sein Schlüssel zu den Menschen waren oft alltägliche Geschichten, in denen sie sich  wiederfanden und sich angesprochen fühlten.

Ich wünschte mir, mehr Menschen fänden Zugänge zu einander. Die Suche nach dem „passenden Schlüssel“ lohnt sich.
Ich erinnere mich an meine erste Zeit auf dem Gymnasium. Ich war sehr verunsichert durch strenge Lehrer und die vielen neuen Anforderungen. Ich schrieb fast nur schlechte Noten. Doch ich hatte einen besonderen Deutsch- und Kunstlehrer.
Gerade hatte ich eine „sechs“ geschrieben und dachte: Jetzt muss ich das Schuljahr wiederholen. Da gab mir der Lehrer  eine neue Chance durch eine Zusatzaufgabe. Ich durfte eine eigene Geschichte schreiben und damit meine schlechte Note ausgleichen. Außerdem spielte er mit uns ein Theaterstück. Nie hätte ich gedacht, von ihm eine Hauptrolle zu bekommen.  Aber genau die gab er mir.   Mein Selbstvertrauen und die Noten wurden bald viel besser.
Dieser Lehrer brachte neuen Wind in die Schule. Er  verhalf auch anderen Schülerinnen und Schüler dazu, ihre Talente zu entfalten. Bei jedem hatte er eine andere Idee, wie das gehen könnte.

Der  Lehrer war keineswegs nur beliebt. Es stieß auch auf Neid.  Ihm wurde unterstellt, dass er den Lehrplan nicht ordnungsgemäß anwendete.
Der Direktor musste dieser Anschuldigung nachgehen. Er meldete umgehend seinen Besuch an, um mit dem Lehrer ein ernstes Wort zu sprechen.
Er erklärte ihm, dass es einen Lehrplan gäbe, an den er sich zu halten habe, da dieser für alle Schüler passe! Seine außergewöhnlichen Methoden solle er künftig unterlassen! Der  Lehrer wies auf den Schlüsselbund des Direktors, der auf dem Tisch lag. Er zeigte auf einen Schlüssel und fragte, wofür dieser passe. Der Direktor sagte: „Das ist mein Autoschlüssel!“ Der Lehrer fragte ihn, ob sein Autoschlüssel auch zu dem Wagen seiner Frau passe? “Nein, natürlich nicht!“, antwortete der Direktor. .
Daraufhin entgegnete der  Lehrer: “Was sie als eigenwillige Lehrmethode bezeichnen, ist ein Weg, um die passenden Schlüssel zum Verstand und zu den Herzen der Kinder zu finden!“

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