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Ringkampf mit Gott
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Ringkampf mit Gott

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
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„Das Leben ist ein Wettstreit mit Gott.“ Das sagte Dustin Hoffmann in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag. Überraschende Worte von einem der erfolgreichsten Schauspieler überhaupt, zweifacher Oscar-Gewinner. Man erwartet nicht, dass so einer das Leben als Kampf sieht. Und das auch noch mit Gott. Aber Dustin Hoffman war nicht schon immer ein Star, sondern hat auch mal klein angefangen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Mann mit dem verschmitzten Lächeln ist nur ein Meter 67 groß – viel zu klein um in Hollywood den Helden zu spielen. Über Charakterrollen beim Theater kämpfte er sich hoch, bis ihm der Durchbruch gelang. Doch das Kämpfen ist ihm geblieben, sein Leben lang. 

So tritt er auch Gott gegenüber. Im Interview sagt er: „Das Leben ist ein Wettstreit mit Gott.“ Dann ergänzt er – direkt an Gott gerichtet: „Sei mal nicht so sicher, dass du mich so früh aufhalten kannst.“ Offenbar hat Dustin Hoffman Gott als einen erlebt, dem er seinen Erfolg abtrotzen musste. 
Kann man sich überhaupt so mit Gott messen? Mit Gott, dem Schöpfer und Erhalter der Welt? Wie sollte man dem etwas abtrotzen können?

Doch Gott kann auch anders. Das dürfte Dustin Hoffman wissen, denn er stammt aus einer jüdischen Familie. Sicher kennt er die Geschichten der jüdischen Bibel, des Alten Testaments. Eine davon hatte er bestimmt im Hinterkopf, als er von seinem Kampf mit Gott erzählte. Dort geht es zunächst nur um einen Kampf unter Brüdern: Jakob, der jüngere Bruder, raubt Esau, dem älteren, den väterlichen Segen. Deshalb muss Jakob fliehen. In der Fremde bringt Jakob es zu Wohlstand. Nun will er als gemachter Mann nach Hause zurückkehren. Und sich mit seinem Bruder versöhnen. Doch auf dem Weg treibt ihn die Angst um. Unruhig wandert er durch die Nacht - alleine. Da begegnet ihm eine dunkle Gestalt. Sie ist feindselig. Es kommt zu einem zähen Ringkampf, den offenbar keiner von beiden gewinnen kann. Darüber bricht der Morgen an. Der Fremde will sich zurückziehen. Doch Jakob hält ihn fest. Er hat inzwischen verstanden, mit wem er es zu tun hat: Mit Gott selbst. Trotzig sagt Jakob: Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.“ Segen – das ist sein Thema. Schon zuhause, als er den väterlichen Segen erschlich. Nun wieder. Nun direkt von Gott. Und Gott gibt nach - offenbar beeindruckt von der Ernsthaftigkeit Jakobs. Gott gibt ihm seinen Segen, bringt ihm Frieden mit seiner Vergangenheit, mit sich selbst und am nächsten Tag auch mit seinem Bruder. Der nimmt ihn zuhause herzlich auf. 

Jakob kann Gottes Segen offenbar nur so empfangen – im Kampf, im Ringen mit Gott. Andere Menschen erleben das anders. Sie erleben Gott als Rückenwind, als bergende Hand, als tröstende und ermutigende Kraft. Aber vielleicht ist das auch gar kein Widerspruch. Vielleicht ist das nur Gott in verschiedenen Gestalten. Mancher kann Gottes Liebe nur finden, indem er sie sich erkämpft. 

So einer ist offenbar auch Dustin Hoffman. Der sagt: „Das Leben ist ein Wettstreit mit Gott.“ Und es klingt nicht so, als sei er darüber sauer auf Gott. Eher, als wisse er diese harte Schule zu schätzen. Vertraute Worte unter vertrauten Leuten. Auch im Kampf kommt man sich nahe.
 

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