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Im Westen nichts Neues...
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Im Westen nichts Neues...

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt
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Das Buch habe ich damals verschlungen, in drei Tagen ausgelesen. „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Es schildert die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht des jungen Frontsoldaten Paul Bäumer. Er spürt, er und seine Kameraden, sie sind eine „verlorene Generation“: Sie kamen mit achtzehn Jahren von der Schulbank direkt in den Krieg, ohne überhaupt zu wissen, wohin es in ihrem Leben gehet.

Heute vor 90 Jahren kam das Buch heraus und war schon am Erscheinungstag ausverkauft. Weil so viele Bestellungen vorlagen, musste umgehend nachgedruckt werden. Die Nazis haben es dann verboten: Ein Buch gegen den Krieg, das passte so gar nicht in ihr Weltbild. Sie wollten es mit den Bücherverbrennungen vernichten. Dafür war es aber viel zu bekannt. Lesenswert ist es heute noch immer. Schließlich gibt es so viele Orte, an denen Krieg herrscht: In Syrien, Mali, Afghanistan, im Kongo und in Kolumbien, sogar in Europa in der Ukraine herrscht Krieg. Die Folgen sind heute so grausam wie im Ersten Weltkrieg. Oft leidet die Bevölkerung, wenn es eigentlich um Bodenschätze und Machtgewinn, um Einfluss und Ideologie geht: Da werden Dörfern und Städte, Heimat und Kultur zerstört. Und Menschen werden vertrieben und müssen fliehen. Es drohen Gefangennahme und Versklavung, Zwangsprostitution und Kindersoldaten. Und natürlich die ungezählten Toten.

Überall auf der Welt verdienen Staaten und Firmen am Krieg, durch Waffenlieferungen zum Beispiel, auch Deutschland ist mit dabei. Darauf versuche ich in der Schule hinzuweisen und dann mache ich auch immer wieder auf die Folgen des Kriegs aufmerksam. Oft kommt die Frage: Was können wir da machen? Ich sage dann, dass es sich lohnt, sich für den Frieden einzusetzen, und versuche, Jugendliche zum Nachdenken zu bringen. Kann ich sie für den Frieden begeistern? Ich finde es schrecklich, dass Deutschland einer der größten Waffenproduzenten weltweit ist, selbst in Krisengebiete und an zweifelhafte Staatschefs liefert. Immerhin kann ich als Wähler sagen: Das kann doch nicht sein.

Ich versuche aber noch mehr, ich setze mich für friedliche Entwicklung auf der Welt ein. Ich unterstütze zum Beispiel mit den Schulen, an denen ich arbeite, eine Hilfsorganisation, Marys Meals. Die ermöglichen weltweit mehr als einer Million Kindern Bildung. Unter anderem, indem sie ihnen eine Möglichkeit geben, ein kostenloses Mittagessen zu bekommen. Nur mit Essen haben sie Kraft, und nur in der Schule bekommen sie Bildung. Dafür gebe ich gerne etwas, und viele andere an den Schulen auch. Und: Da finde ich jeden Euro gut investiert.

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