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Zauber am Ende des Lebens
Bild: Myriams-Fotos/Pixabay

Zauber am Ende des Lebens

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Er weiß nichts mit sich anzufangen. Die anderen auch nicht. Davon handelt die Erzählung "Knulp" von Hermann Hesse (1877 – 1962). Knulp ist der Name eines Umherziehenden. Heute hier, morgen da. Er hat eine Liebste und einen Sohn, aber auch da bleibt er nicht. Es ist eine Unrast in ihm; er kann nicht rasten. Bis zum Schluss geht das so, als er sein Ende nahen fühlt.

Knulp spricht mit Gott       

Da legt er sich auf eine Wiese und schaut zum Himmel. Jetzt möchte er doch mal mit Gott sprechen, bevor es zu spät ist und er die Augen schließt. Und sagt: Ich war ein schlechter Kerl; ich hätte bei meiner Lisbeth bleiben sollen. Aber Gott lässt ihn nicht weiterreden.

Und Gott antwortet

Er unterbricht Knulp und sagt zu ihm: Hör auf zu klagen. Du hast Kinder zum Lachen gebracht. Ein paar Menschen haben dich geliebt, ein paar gehänselt. Aber das Wichtigste ist, sagt Gott:Ich habe dich nicht anders brauchen können, als wie du bist.Ein schöner Zauber am Ende des Lebens. Nicht die Klage überlebt den Knulp, sondern die Freude. Er gefiel sich oft selbst nicht, aber er war so, wie Gott ihn haben wollte.

"Ich habe dich nicht anders brauchen können, als wie du bist"

Das hörte ich auch gerne, wenn ich auf einer Wiese läge, um mit Gott zu sprechen. Dann soll er mir sagen: Ich habe dich nicht anders brauchen können, als wie du bist. Das ist keine Entschuldigung für alles, was ich getan oder gelassen habe. Gott sagt das ja nicht in der Mitte, sondern am Ende des Lebens. Heute soll ich schon noch gut aufpassen, dass ich seinen Willen tue, Menschen achte und nicht täusche, Frieden stifte und gegen nichts und niemanden stichele. Heute habe ich eine Aufgabe. Später aber, wenn die Kräfte klein werden, soll Gott mir sagen: Quäl dich nicht mit deinem Leben. Du bist mein und bleibst mein.

Frieden machen mit mir selbst

Dann kann ich leichter Frieden machen mit mir. Weil ich mich nicht selbst erlösen kann aus den Fesseln meines Alltags. Weil Gott mich daraus löst und sagt: Du kannst jetzt Frieden haben.Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Mehr Frieden geht nicht, als dass ich Gott recht bin. Das soll er mir bitte sagen, irgendwann. Bis dahin will ich aber alles mir Mögliche tun, um mit Menschen Frieden zu haben - und mit mir.

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