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Helfen tut mir gut
Amriphoto/GettyImages

Helfen tut mir gut

Ralf Schweinsberg
Ein Beitrag von

Ralf Schweinsberg,

Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Gründau-Rothenbergen
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„Sie müssen mir doch nichts schenken!“, versuche ich mich zu wehren, ohne Erfolg. Die Frau aus der Nachbarschaft hatte mir erzählt, dass ihr Fernseher kaputt ist. Nur manchmal reagiere er noch auf die Fernbedienung. Ich habe gedacht, es sind vielleicht nur die Batterien, zwei neue besorgt und beim nächsten Mal auch gleich gewechselt.

Jetzt war sie überglücklich: ihr Fernseher lief wieder! Sofort gab sie mir das Geld für die Batterien. Aber dann holte sie auch noch eine Flasche Wein aus der Küche: „Trinken sie den mal mit ihrer Frau,“ meinte sie nur.

Manche Geschenke darf man nicht ablehnen

Ich wollte schon protestieren, aber mir war klar: dieses Geschenk durfte ich nicht ausschlagen. Sie war glücklich und jetzt wollte sie mir auch eine Freude machen.

Solche Geschenke mag ich. Sie kommen von Herzen. Was ich eher nicht mag, ist die Frage: „Was bin ich ihnen schuldig?“

Da habe ich einem Nachbarn oder Freund geholfen und er will mich dafür bezahlen. Besteht nicht Freundschaft, gute Nachbarschaft gerade darin, dass ich auch mal etwas schuldig bleiben darf und nicht immer alles bezahlen muss?

Helfen tut beiden Seiten gut: dem Helfer und dem, dem geholfen wird

Gerade in diesen Zeiten will ich lernen, Hilfe von anderen dankbar anzunehmen. Denn Helfen tut beiden gut – dem, dem geholfen wurde, und auch mir, der ich helfen durfte. Ein freundliches, von Herzen kommendes: „Danke“ kann dann mehr wert sein als jeder Euro.

Bei der Nachbarin habe ich gespürt, dass sie mir den Wein von Herzen geschenkt hat. Für mich ein freundlicher Ausdruck ihrer Dankbarkeit, der uns beiden gutgetan hat – auch wenn es das nicht immer braucht.

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