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Earth Hour- Licht aus für das Klima
Bild: pixabay

Earth Hour- Licht aus für das Klima

Andrea Weitzel
Ein Beitrag von

Andrea Weitzel,

Katholische Schulseelsorgerin und Religionslehrerin, Hanau
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"Licht aus. Jetzt wird geschlafen!" Damit habe ich schon öfter meinen Kindern unmissverständlich klargemacht: Jetzt ist Schluss für heute. Denn es ist höchste Zeit für die Nachtruhe!

"Licht aus. Klimaschutz an." Mit diesen Worten wirbt die deutsche Homepage des WWF – des World Wide Fund for Nature – für die heutige Earth Hour, der "Stunde für die Erde". In diesem Fall geht es ums Wachrütteln zur persönlichen Verantwortung für den Klimaschutz. Denn es ist höchste Zeit für die Rettung des Klimas!

Seit 2007 ruft die Earth Hour dazu auf, eine Stunde lang die Beleuchtung auszuschalten. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass damals Australien eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Kohlenstoffdioxid-Ausstoß gewesen ist. Darauf wollte der WWF als Initiator den Blick der Öffentlichkeit lenken. Und so löschten 2007 mehr als 2,2 Millionen australische Haushalte ihre Lichter.

Schon ein Jahr später war die Earth Hour eine globale Aktion. 2021 ist die Earth Hour zur weltweit größten Klima- und Umweltschutzaktion geworden. Im vergangenen Jahr nahmen fast alle Länder der Welt teil. Beeindruckend finde ich das. Ebenso beeindruckend wirken auf mich Bilder und Videos vergangener Jahre, die zeigen, wie Sehenswürdigkeiten rund um die Erde förmlich in der Dunkelheit verschwinden: der Eiffelturm in Paris, das New Yorker Empire State Building, die Christusstatue in Rio, der Kreml in Moskau, das Taj Mahal in Indien, das Brandenburger Tor in Berlin – die Liste weiterer Denkmäler und Wahrzeichen, offizieller Gebäude und Kirchen ließe sich noch lange fortführen. Für heute kündigt der WWF die Beteiligung von 330 Städten und Gemeinden allein in Deutschland an. Dort wird ab 20:30 Uhr das Licht ausgehen.

Sinn und Nutzen der Earth Hour werden immer wieder angezweifelt. Anfänglich geäußerte Ängste vor zusammenbrechenden Stromnetzen zerstreuten sich zwar schnell, weil die erwarteten Szenarien nicht einsetzten. Jedoch steht der energetische Gewinn in der Kritik. Der eingesparte Strom mache sich in den deutschen Netzwerken kaum bemerkbar. Energetisch um ein Vielfaches wirksamer sei der Einsatz von Energiesparlampen anstelle der einen Stunde Dunkelheit. Daher beruhige die Earth Hour nur ein etwaiges schlechtes Gewissen, erziele aber keinen Mehrwert zur Rettung des Weltklimas.

Diese Kritik fangen WWF und Beteiligte damit auf, dass sie auf Bewusstseinsbildung setzen. Die Earth Hour ist daher in erster Linie als gemeinsames Zeichen zu verstehen. In ihrer globalen Verbreitung schaffe sie ein Bewusstsein dafür, weltweite Probleme wie eben die Klimaveränderung nur gemeinsam und solidarisch lösen zu können. Wer sich als Teil einer globalen Klimaaktion erlebe und den Lichtschalter bewege, werde sich auch an den anderen Tagen des Jahres mehr zum Klimaschutz bewegen lassen. Dazu motiviere die Earth Hour, darin läge ihre eigentliche Bedeutung.

In diesem Sinne konkrete Anregungen bietet die Aktion "Klimafasten". Evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer werfen beim „Klimafasten“ auch in dieser Fastenzeit ein Licht auf die Notwendigkeit und den Wert des persönlichen Einsatzes für den Klimaschutz. Die laufende Woche heißt: Zeit, zum anders unterwegs sein. Sie spornt zu klimafreundlicherer Fortbewegung an: weniger Auto, mehr zu Fuß, Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrgemeinschaften.

Klimafasten und Earth Hour – zwei Lichtblicke angesichts eines großen Ziels. Und deshalb werde ich heute Abend gleich zweimal "Licht aus" sagen: einmal um halb 9 fürs Klima. Und noch einmal – wenn es – vielleicht nach einer kleinen Nachtwanderung im Dunkeln heißt: Licht aus. Jetzt wird aber geschlafen!

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