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Sarah Connor - Wie schön du bist

Sarah Connor - Wie schön du bist

Stephanie Rieth
Ein Beitrag von Stephanie Rieth, Bevollmächtigte des Generalvikars und Dezernentin
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Musik:
Sarah Connor, Wie schön du bist 0-0:31
Der Applaus ist längst vorbei
Und dein Herz schwer wie Blei
Jeder redet auf dich ein
Trotzdem bist du so allein
Und du siehst so traurig aus
Komm in mein'n Arm, lass es raus
Glaub mir, ich war wo du bist
Und weiß, was es mit dir macht.

Wie schön du bist! Kein typischer Weihnachtssong ist das – sondern eigentlich ein ganz normaler Popsong, gesungen von Sarah Connor, der deutsch-amerikanischen Sängerin aus Berlin, die auch Weihnachtslieder kann und mag. 2005 hat sie - wie so viele Künstler – ein ganzes Album nur mit Weihnachtssongs  herausgebracht. Ich habe mich heute am zweiten Weihnachtstag aber ganz bewusst für diesen Song entschieden, denn für mich passt er zu Weihnachten – ja sogar zur Krippe.

Sarah Connor steht für Balladen mit viel Stimme, aber auch für soulige Songs und Popsongs, zu denen man gut tanzen kann. „Wie schön du bist“ stammt von dem ersten Album der Sängerin in deutscher Sprache und ist 2015 entstanden. Er ist eher eine Ballade, und es geht um Liebe – aber nicht die romantische zwischen Mann und Frau, sondern um die ganz existentielle Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Er handelt von einer Mutter, die sich sehr gut hineinversetzen kann in ihr Kind. Die Sängerin hat einmal verraten: In diesem Song geht es um ihr Verhältnis zu ihrem Sohn – zu diesem Zeitpunkt mitten in der Pubertät. Auch wenn auf dem Video zum Song ein junges Mädchen zu sehen ist.

Eine schwierige Zeit war das mit ihrem Sohn, wie für viele andere Mütter - und Väter natürlich auch. Und sicher gilt das auch für die Töchter. Aber – die Väter und Töchter mögen es mir nachsehen – Mütter und ihre Söhne gehen da noch einmal anders durch. Es ist eine Zeit, in der Mütter mit ihren Söhnen leiden, gerne helfen würden beim Erwachsenwerden, aber nicht können. Wenn die Söhne auf einmal nicht mehr so viel erzählen, mehr mit sich selbst ausmachen. Dann sind es oft die Mütter, die mitfühlen. Und ihr Herz wird wie Blei, wenn sie spüren: Der geliebte Sohn ist allein und traurig, trotz all der Menschen, die ihm Ratschläge geben. Ich kenne das auch bei meinem Sohn. Am liebsten würde man ihn in den Arm nehmen, trösten und ihm versichern: Mir ging es mal ganz genauso. Ich war, wo du bist, und weiß, was es mit dir macht.

Aber in der Pubertät geht das nicht mehr so einfach, mit dem In-den-Arm-Nehmen. 
Da ist eher Abstand angesagt – und eine Umarmung gibt’s höchstens mal, wenn es eben dazu gehört, zu Geburtstag oder jetzt an Weihnachten. Ich merke das auch bei meinem Sohn – da verändert sich was in diesem Lebensalter zwischen Kindheit und Erwachsensein. Und das ist gut so, auch wenn es manchmal wehmütige Gefühle hinterlässt.

Aber Mütter können auch anders, sie müssen nicht stehenbleiben bei Mitleid und Wehmut – und ich finde, genau dafür steht der Song von Sarah Connor. Vor allem im Refrain macht sie klar: Trotz all der schwierigen Seiten oder vielleicht  gerade auch wegen dieser schwierigen Seiten findet sie ihr Kind immer noch wunderbar, sie sieht die Schönheit ihres Kindes, die durch all die Schwierigkeiten und Probleme hindurchscheint.
 
Sarah Connor, Wie schön du bist 0:32 – 1:04
Doch wenn du lachst
Kann ich es seh'n
Ich seh' dich
Mit all deinen Farben
Und deinen Narben
Hinter den Mauern
Ja ich seh' dich
Lass dir nichts sagen
Nein, lass dir nichts sagen
Weißt du denn gar nicht
Wie schön du bist?

Der Blick einer Mutter – das ist ein Blick, der nicht an den Schwierigkeiten vorbeisieht, die nun mal da sind, wenn die Schule überflüssig wird, Interessen sich plötzlich wandeln. Er registriert sehr wohl  die Mauern, die die Jungs mit einem Mal um sich herum errichten, so dass man sie nicht mehr versteht, sie sich selbst nicht mehr verstehen. Aber manchmal gelingt eben auch der Blick hinter die Mauern.
Sarah Connor will eine Mutter sein, die ihren Sohn aufbaut, ihn bestätigt, so wie er ist, und staunend seine Schönheit betrachtet. Weißt du denn gar nicht, wie schön du bist?

Nein, Jugendliche wissen das nicht, wenn sie in der Pubertät sind, wenn sich ihre Körper, ihre Gefühle verändern. Das verunsichert enorm (ab hier unterlegen: Sarah Connor, Wie schön du bist 1:05-1:12) – gut, wenn sie dann zu hören bekommen: Ja, ich seh‘ dich, so wie du bist und du bist unglaublich schön.

Sarah Connor, Wie schön du bist 1:13-1:42
Ich seh' dein'n Stolz und deine Wut
Dein großes Herz, dein'n Löwenmut
Ich liebe deine Art zu geh'n
Und deine Art mich anzuseh'n
Wie du dein'n Kopf zur Seite legst
Immer siehst wie's mir geht
Du weißt, wo immer wir auch sind
Dass ich dein Zuhause bin.
Und was das mit mir macht
Wenn du jetzt lachst
Seh' ich

Wenn ich meinen Sohn in einem unbeobachteten Moment ansehe und dann manchmal diese ursprüngliche Schönheit aufblitzt, dann muss ich oft an die Zeit denken, als er neugeboren war und ich mir ausgemalt habe, wie das wohl werden würde, wenn er mal groß wird. Was wir alles mit ihm erleben würden. Aber wenn ich meinen Sohn dann so anschaue, wenn er mal wieder wütend ist, rebellisch oder einfach nur verschlossen, dann finde ich ihn auch unglaublich schön: so wie er jetzt gerade ist, genau so. 

Sarah Connor, Wie schön du bist 2:16-2:25
Jeder Punkt in deinem Gesicht
Ist so perfekt, rein zufällig
Es gibt nichts Schöneres als dich

Diese besondere Art, das eigene Kind zu betrachten: Das scheint etwas ganz Existentielles zu sein, das ganz eng mit dem Muttersein verbunden ist. Mein Mann arbeitet im IT-Bereich, und er hat immer etwas wehmütig von der wireless Nabelschnur gesprochen – eben eine ganz besondere Verbindung, von Müttern zu ihren Kindern. Da haben es Väter manchmal eindeutig schwerer.

Tatsächlich erzählt auch die Weihnachtsgeschichte in der Bibel die Geschichte einer besonderen Verbindung einer Mutter zu ihrem Sohn.
Erst einmal berichtet der Evangelist Lukas wie ein Geschichtsschreiber von den Umständen rund um die Geburt Jesu: die Volkszählung, die beschwerliche Wanderung nach Betlehem, die Herbergssuche, die Geburt im Stall, die Engel auf dem Feld – alles, was wir so gerne in unseren Weihnachtskrippen abbilden. Maria, Josef und das Kind sind natürlich die Hauptfiguren, aber eigentlich spielen sie in der Erzählung ihre Rolle, mehr bekommt man von ihnen nicht mit. Das ändert sich am Ende der Weihnachtserzählung.
Die Hirten kommen zu der jungen Familie und erzählen, was ihnen die Engel über dieses Kind gesagt haben: Er ist der Retter, der Christus, der Herr – Titel, die sonst nur Könige bekamen. Alle, die es hörten, staunten darüber, heißt es.

Und dann endlich erfahren wir etwas von Maria, der Mutter dieses Kindes. Es heißt da: Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
Ich finde diese Beschreibung ganz wunderbar und kann mich gut in Maria hineinversetzen. Vermutlich hat dieses Erlebnis viele Fragen in ihr ausgelöst: Dieses kleine, verletzliche Wesen, mein Sohn, der ohne mich nur schwer überleben könnte, soll ein Retter sein, ein Gesalbter, ein Herr? Was soll mir das sagen? Was werde ich mit ihm wohl alles erleben an Schönem, aber auch an Schwerem?
Ob sie geahnt hat, wie seine Geschichte weitergehen würde und wie viele Schmerzen ihr das als Mutter bereiten würde? Wie viele Narben ihr Sohn würde einstecken müssen.
Aber Maria hat Ja gesagt zu diesem Kind und ja zu allem, was sie mit ihm erleben würde.

Sarah Connor, Wie schön du bist 2:26-2:47
Und ich hab' das alles so gewollt
Den ganzen Terror und das Gold
Ich habe nie was so gewollt
Wie all deine Farben
Und all deine Narben
Weißt du denn gar nicht
Wie schön du bist?

Maria ist mir als Mutter sehr nahe – als eine, die durchhält an der Seite ihres Sohnes, auch wenn es mal schwierig wird, und in der Lebensgeschichte von Jesus wurde es verdammt schwierig. Jede Mutter hofft, dass ihr so etwas erspart bleibt.

Aber Mutter sein, das heißt eben auch: in Kauf nehmen, dass ich bei aller Liebe damit leben muss, dass die Lebensgeschichte meines Kindes eine ganz neue Geschichte ist. Ich habe sie nicht in der Hand, und sie hält neben all dem Schönen auch Anstrengendes und Schmerzhaftes bereit.
Wenn ich da an meine Kinder denke und die Sorgen, die ich mir manchmal um sie mache, dann wünsche ich mir die Kraft und das Vertrauen von Maria. Das Vertrauen darauf, dass die Wege meiner Kinder und ihre Lebensgeschichte einen tiefen Sinn haben und von Gott gesegnet sind.

Ich wünsche Ihnen auch heute am zweiten Feiertag noch: ein gesegnetes Weihnachtsfest, an dem sie im Kreis von lieben Menschen sein können, ob sie nun eine eigene Familie haben oder nicht, ob sie selbst Mutter oder Vater sind oder für ihre Eltern da sein dürfen. Und in den Begegnungen dieser Tage wünsche ich Ihnen den Blick auf die Farben jenseits aller Verletzungen auch untereinander und auf die Schönheit, die jedem Menschen von Gott gegeben ist.

Sarah Connor, Wie schön du bist 3:02-3:28 (ausblenden)
Wie schön du bist
Wie schön du bist

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