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Die geheimnisvolle Rose
Foto: Martin Vorländer

Die geheimnisvolle Rose

Heidrun Dörken
Ein Beitrag von

Heidrun Dörken,

Evangelische Pfarrerin, Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk
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An einem kalten Tag im Advent habe ich sie geschenkt bekommen: „Hier, für dich! Eine Blume, die im Winter blüht.“ Mit beiden Händen nehme ich den Pflanzentopf entgegen. Ich schaue in zarte weiße Blütengesichter. Gelbe Staubgefäße in der Mitte, tiefgrüne Blätter drumherum. Eine Christrose.

Es ist ein Ros entsprungen

Sie ist das Vorbild für das Weihnachtslied: Es ist ein Ros entsprungen. Das Lied vergleicht die Geburt Jesu mit einer solchen Rose. Sie geht aus einer alten Wurzel hervor, mitten im kalten Winter: „Das Blümlein, so kleine, das duftet uns so süß. Mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis.“

Eine Heilpflanze

Ja, meine Christrose leuchtet, selbst wenn es grau ist. Sie blüht, wenn alles andere erstorben scheint. Im Advent fängt sie an. Sie übersteht hartes Wetter, Schnee und Eis. Blüht auf und leuchtet. So wird sie zum Zeichen: Das Leben sucht sich seinen Weg. Und innere Werte hat meine Christrose auch. Seit der Antike gilt sie als Heilpflanze, besonders bei Traurigkeit.

Auf der Roten Liste

Inzwischen steht die Christrose auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Sie ist im Alpenraum zuhause. Da pflücken sie immer noch Dummköpfe oder graben sie aus, obwohl sie jeder als Gartenpflanze kaufen kann.

Die Christrose in der Dichtung

Mehr Respekt haben Dichtung, Legenden und Märchen. Sie erzählen, wie die geheimnisvolle Rose heilt und versöhnt und den rechten Weg zeigt, weil sie auch noch im Dunkeln leuchtet. Es ist ein Geschenk, so eine Blume im Winter zu sehen. In der kalten Jahreszeit führt sie vor Augen, was neu in die Welt kommt und auf den ersten Blick unscheinbar ist.

Christi Geburt im Winkel der Provinz

So war das erste Weihnachten doch auch, die Geburt von Jesus. Für die meisten Zeitgenossen auf den ersten Blick unscheinbar. Ein jüdisches Baby am Rand der Welt. Keine Nachricht für die, die in den Weltreichen und Hauptstädten den Ton angaben. Zunächst haben nur ein paar Hirten gehört, was die Engel zu dieser Geburt gesagt haben: Euch ist heute der Heiland geboren! Die Hirten aus dem verschlafenen Winkel in der Provinz haben weiter erzählt, was sie gesehen und gehört haben.

Der erwachsene Jesus lebt die Liebe Gottes

Später haben andere geteilt, was sie mit dem erwachsenen Jesus erlebt haben. Was er über die Liebe Gottes gesagt hat. Wie er sie gelebt hat. Kinder haben diese Zuneigung gespürt. Jesus hat sie, die Kinder, in den Mittelpunkt gestellt. Kranke sind gesund geworden. Frauen und Männer mit wenig Zuversicht haben sich aufgerichtet. Haben den hellen Schein über ihrem Leben entdeckt.

Jesu Name geht um die Welt

Nach und nach ist der Name des Jesus von Nazareth aus der Provinz um die Welt gegangen. Verbreitet durch Menschen, die auf ihn gehofft haben und hoffen. Die erfahren haben, dass seine Botschaft heilt und versöhnt und den rechten Weg zeigt.

Der helle Schein vertreibt die Finsternis

Wenn meine Hoffnung mal winterlich kalt ist und unscheinbar, dann hilft mir ein Blick auf meine Christrose. Was hatte der gesagt, der sie mir geschenkt hat? Hier, eine Blume, die im Winter blüht. Für dich! Sie erinnert an den, der an Weihnachten unscheinbar und neu in die Welt gekommen ist. Und doch mit seinem hellen Schein die Finsternis vertreibt.

 

Das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ steht im Evangelischen Gesangbuch Nr. 30.

Beispiele für die Christrose in der Literatur:

Ludwig Ganghofer, Der Klosterjäger, 1892. Die Schneerose als Symbol ewigen Lebens und Heilmittel.

Selma Lagerlöfs Legende von der Christrose, 1908. Es geht um Gnade für eine Räubermutter dank der Blume im Weihnachtsgarten im dunklen Wald.

Christian Signol, Wenn die Christrose blüht, 2002. Heilung von Leukämie.

 

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