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Sich helfen lassen
epd-bild/Frank Schulze

Sich helfen lassen

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von

Dr. Fabian Vogt,

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt
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Moderator/in:  Viele, die von der Flutkatastrophe betroffen sind, werden noch lange brauchen, um ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Das gilt sowohl für die, die Angehörige oder ihren gesamten Besitz verloren haben, als auch für die vielen Rettungskräfte.

Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche. Was denkst du denn als Seelsorger, was den Menschen jetzt hilft?

Erst mal ist es wichtig, sich selbst zuzugestehen: Das sind zutiefst traumatische Erfahrungen. Viele haben dem Tod ins Auge geblickt. Entweder, weil sie um ihr Leben kämpfen mussten, oder weil sie eine Leiche gefunden haben. Das sind Grenzerfahrungen, die nicht spurlos an einem vorübergehen.

Die Erfahrung zeigt aber: Es passiert schnell, dass wir vor lauter Aufräumen, Saubermachen und Wiederaufbau verdrängen, dass auch unsere Seele Schaden genommen hat. Das heißt: So, wie es finanzielle Unterstützung braucht, braucht es auch seelische Unterstützung.

Ist es immer noch so, dass es Leuten schwerfällt, sich psychologisch oder seelsorgerlich betreuen zu lassen?

Ja, komischerweise. Vermutlich, weil der Gedanke „Ich komme damit nicht alleine klar!“ vielen immer noch als Zeichen der Schwäche gilt.

Ich bin der Überzeugung: Es ist genau andersherum. Wer sich seine Schwächen eingesteht, ist wirklich stark. Steht übrigens schon in der Bibel: „In meiner Schwachheit bin ich stark.“ 

Ich glaube: Es ist jetzt wichtig, nicht nur Häuser, sondern auch Seelen wieder aufzubauen.

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