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Kölsche Kippa Köpp
Picture alliance/dpa/Thomas Banneyer

Kölsche Kippa Köpp

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Das Foto zeigt die Kölner Synagoge in der Roonstraße mit Karnevalisten im Vordergrund und dem Plakat, dass an die Geiseln in Hamas-Verschleppung erinnert. Aufgenommen an "Weiberfasching", dem Karnevalsdonnerstag, 8.2.2024

Die großen Straßenumzüge in Mainz, Düsseldorf und Köln begeistern Millionen Menschen, live dabei oder per Fernseher übertragen. In Köln mit dabei sind die „Kölschen Kippa Köpp“, der weltweit einzige jüdische Karnevalsverein. Kippa steht für die jüdische Kopfbedeckung der Männer, der Verein ist aber auch für Frauen offen.

In Köln feierte der jüdische Karnevalsverein schon im 19. Jahrhundert mit

Er knüpft an die Geschichte der jüdischen Karnevalstradition in Köln an. Schon im 19. Jahrhundert gehörte der Karneval für viele Juden zum festen Bestandteil ihres Lebens in der Stadt. Später gründeten sie mit dem „Kleinen Kölner Klub“ den bis dahin ersten und einzigen jüdischen Karnevalsverein.

In der Nazizeit mussten viele Mitglieder fliehen oder wurden deportiert und ermordet

Viele der Mitglieder mussten vor den Nazis fliehen, andere wurden deportiert und ermordet. Die Idee zur Neugründung stammt nicht aus der jüdischen Community. Sie kam vom Präsidenten des Festkomitees, in dem alle Karnevalsvereine organisiert sind. Er sagte: Ein jüdischer Karnevalsverein ist der fehlende Mosaikstein.

Seit 2017 gibt es den neuen jüdischen Karnevalsverein

Seit 2017 gibt es ihn, den neuen jüdischen Karnevalsverein. Zum Auftakt der Saison hatten die Verantwortlichen zu Falafel und Kölsch eingeladen, mit einem herzlichen Alaaf und Shalom.

Kann man Karneval feiern, nach dem Massaker der Hamas in Israel?

Aber geht das überhaupt: Karneval feiern nach dem Massaker der Hamas-Terroristen am 7. Oktober in Israel? Ja! Das sagen nicht nur die Mitglieder der „Kippa Köpp“. Das sagt auch Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Aaron Knappstein, der Präsident des Vereins, begründet das so: „Für die meisten Jüdinnen und Juden ist es nichts Ungewöhnliches, Schreckliches mit Schönem im Leben zu verbinden.“ Er drückt das noch deutlicher aus: „Im Lauf unserer Geschichte blieb uns nichts anderes übrig. Ob Shoah, Antisemitismus oder jetzt der Überfall der Hamas, das ist immer irgendwie präsent.“

Sein Fazit: Man kann das Leben genießen, ohne den Schrecken zu vergessen. Alaaf und Shalom!

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