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Kirche im Aufbruch - Korea und das Christentum
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Kirche im Aufbruch - Korea und das Christentum

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter Bildung und Kultur
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Heute bin ich mit meinen Gedanken in einem weit entfernten Land: in Korea. Vor einigen Jahren durfte ich für ein paar Tage dieses moderne und aufstrebende Land bereisen. Vor allem die Megacity Seoul ist mir dabei eindrucksvoll im Gedächtnis geblieben. Vom Hotel in einem Hochhaus hatte ich einen weiten Blick über die Stadt, die sich grenzenlos vor mir ausbreitete. In der Metropolregion leben heute über 25 Millionen Menschen. Aber auch die bedrückende Grenze zu Nordkorea, die wir besucht haben, hat Spuren hinterlassen. Ich werde nie vergessen, wie wir zu einem Raum geleitet wurden, in der Mitte ein Tisch, der die Grenze zwischen dem geteilten Land markierte. Ein augenfälliges Symbol für die jahrzehntelange Trennung. Die Unterschiede zwischen dem modernen, kapitalistischen und amerikanisch geprägten Süden und dem kommunistischen Norden könnten nicht größer sein. Auch in Sachen christlicher Glaube: Während die Glaubenspraxis in Nordkorea unterdrückt und verfolgt wird, wächst die Zahl der Gläubigen in Südkorea kontinuierlich. Kirche ist hier im Aufbruch.

Gedenktag für koreanische Märtyrer

Und heute gedenkt die katholische Kirche auf der ganzen Welt der zahlreichen koreanischen Märtyrer, die noch im 19. Jahrhundert für ihren Glauben sterben mussten. Und die wesentlichen Anteile am Wachstum des Christentums in diesem eigentlich konfuzianistischen Land haben: darunter auch der erste koreanische Priester Andreas Kim Taegon. Er stammte aus einer Adelsfamilie und bereits seine Eltern waren zum katholischen Glauben konvertiert. In Macau, einer Hochburg der Jesuiten in Asien, studierte er Theologie und wurde in Shanghai zum Priester geweiht, um dann in Korea den Glauben zu verkünden. Während der Jo-se-on-Dynastie kam es zu einer starken Christenverfolgung. In diesem Kontext wurde auch Andreas Kim am 16. September 1846 hingerichtet.

Endlich Religionsfreiheit

Der christliche Glaube kam aber bereits vorher durch koreanische Intellektuelle, die in China in Kontakt mit den Jesuiten kamen, nach Korea. Er war also am Beginn vor allem eine Laienbewegung und diese war sehr erfolgreich. Als die ersten ausländischen Missionare und Priester ins Land kamen, waren sie überrascht, bereits gut informierte, gläubige Christen anzutreffen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 1882, wurde die Religionsfreiheit eingeführt und Christen konnten offen zu ihrem Glauben stehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute ist Südkorea stark von den USA beeinflusst, was sich auch in der Glaubenslandschaft niederschlägt. Besonders evangelische und evangelikale Gemeinschaften spielen eine wachsende Rolle und gewinnen zahlreiche Mitglieder. Insgesamt aber wachsen der christliche Glaube und auch die Zahl der Katholiken. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich selbst als Christen, davon über 5 Millionen Katholiken.

Missionieren Koreaner bald in Europa?

Seit meiner Reise nach Südkorea bin ich fasziniert von der Entwicklung des Glaubens dort. Als moderne Industrienation und zugleich als Land des Glaubens, in der ein junges, vitales Christentum wächst und immer mehr die Gesellschaft prägt, zeigt Südkorea, dass christlicher Glaube in der Moderne nicht nur weiterhin seinen Platz hat. Vielmehr gilt er dort als modern und als Zeichen des gesellschaftlichen Fortschritts. Ja, es ist geradezu chic, Christ zu sein. Das Christentum als Ort des persönlichen Wachstums, als Ort der lebendigen Gotteserfahrung und als Religion, die die Moderne prägen kann – alles das können wir in Südkorea beobachten. Mal sehen, wann sich die ersten koreanischen Missionare nach Europa und Deutschland aufmachen und hier ihre Klöster gründen.

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