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Zum Abschied ein Segen
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Zum Abschied ein Segen

André Lemmer
Ein Beitrag von André Lemmer, Pfarrer in der Pfarrei Sankt Elisabeth in Kassel
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Es ist so weit. Ich verlasse meine Kirchengemeinde, um eine neue Stelle in einer neuen Pfarrei anzutreten. Nach etwa vier Jahren packe ich mein Leben in Kisten und verabschiede mich. Ich verabschiede mich von vielen lieb gewonnenen Gemeindemitgliedern, Kolleginnen und Kollegen. Ich verlasse einen Abschnitt meines Lebens und beginne einen neuen.

Gemischte Gefühle

Meine Gefühle sind dabei sehr gemischt. Einerseits freue ich mich sehr auf alles das, was kommt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und wem ich in Zukunft noch begegnen werde. Aber natürlich schmerzt auch der Abschied. So recht mag ich mich nicht trennen. Ich ringe mit den beiden Gefühlen: Abschied und Freude. Seit Wochen geht es mir so.

Jakob ringt mit einem Unbekannten

In diesen Wochen begleitet mich ein Text aus dem Buch Genesis, dem ersten Buch des Alten Testaments. Die Stelle, an der Jakob mit Gott am Jabbok kämpft. Jakob, ein Enkel Abrahams, muss sein Land verlassen und in der Nacht begegnet ihm ein Unbekannter, der ihn daran hindert weiterzuziehen. Es beginnt ein Ringkampf, bei dem Jakob zunächst unterlegen scheint, aber er hört nicht auf zu kämpfen. Im Morgengrauen bittet der Unbekannte den Jakob, ihn loszulassen und so den Kampf zu beenden. Jakob aber lässt nicht los. Er sagt: „Ich lasse dich erst los, wenn du mich segnest!“ Jakob hat dem Unbekannten einen Segen abgerungen. Der Unbekannte, Gott oder ein Engel ist beeindruckt von diesem Wunsch. Er gewährt ihn und lässt Jakob ziehen.

Das Unbekannte, das man Zukunft nennt

In den Tagen des Abschieds aus meiner alten Wirkungsstätte wurde auch mir der Segen wichtig. Einerseits für die Menschen, die ich verlasse. Sie sollen mit dem Segen Gottes weitergehen in ihrem Leben, in ihrer Pfarrei und Kirche. Andererseits brauche ich den Segen auch. Mir ist sehr bewusst, dass all mein Ringen zwischen Vorfreude und Abschied, loslassen und neu anfangen auch unter einem Segen stehen muss. Denn da, wo ich den Segen anderer empfange, sprechen sie etwas aus, was ich mir immer wieder bewusst machen muss: Ich bin in meinem Leben nicht allein. Menschen sind bei mir, die mir helfen und nur das Beste für mich wollen. Und Gott geht auch immer mit. Sein Segen, sein Geist ist immer dabei. Mir gibt das Kraft und ich kann lächelnd zurückblicken auf das, was war. Mir gibt der Segen auch Mut und voller Erwartung kann ich in das Unbekannte blicken, das man Zukunft nennt. Gottes Segen!

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