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Kirchliches Korkenknallen
Bild: Pixabay

Kirchliches Korkenknallen

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Eigentlich könnten wir an diesem Wochenende in den Kirchen die Korken knallen lassen. Es ist nämlich Silvester. Das Kirchenjahr geht zu Ende – und ein neues beginnt. In der Kirche liegt der Jahresbeginn nicht auf dem 1. Januar. Sondern: auf dem 1. Advent. Morgen ist deswegen der letzte Sonntag im Kirchenjahr. In der evangelischen Kirche wird er Toten- oder Ewigkeitssonntag genannt, in meiner katholischen Kirche heißt er „Christkönig“. Christus wird gefeiert als König über Welt und Zeit.

Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu

Silvester, Neujahr in den Kirchen: Für mich ist das Gelegenheit, schon mal ein wenig auf das Jahr zurückzuschauen an diesem Wochenende. Auf die traurigen und die schönen Seiten. Traurig waren natürlich die Todesfälle. In den evangelischen Gottesdiensten ist es üblich, am Totensonntag die Namen der Verstorbenen zu verlesen. Das kenn ich als Katholikin nicht, aber ich find es eine schöne Tradition. Ich werde mir auch die Namen und Gesichter der Menschen in Erinnerung rufen, die dieses Jahr gestorben sind. Ein Onkel zum Beispiel, ziemlich plötzlich mit 77 Jahren. Und der Vater eines Freundes. Von beiden stehen auf meinem Bücherregal die Sterbebildchen, mit Foto, Lebensdaten, einem Erinnerungsspruch. Ich bete für diejenigen, die besonders trauern. Mir fällt auch ein Hörer unserer hr2 Sendungen ein, mit dem ich telefoniert hab und der vor ein paar Wochen seine Schwester verloren hat, er hatte sie liebevoll gepflegt. All die Menschen, die um liebe Angehörige trauern, müssen dieses Jahr im Advent und an Weihnachten auch das erste Mal ohne sie auskommen. Ich denke auch an die vielen Corona-Toten dieses Jahres und deren Familien und Freunde. Die Pandemie hat viele Menschen zu früh und unerwartet aus dem Leben gerissen. Ich finde es wichtig, dass wir uns in der Trauer so gut es geht beistehen, dass wir zusammen trauern, gerade an solch einem Wochenende und am Totensonntag.

In diesem Jahr habe ich gemerkt, was mir wichtig ist

Ich will aber auch an diesem kirchlichen Silvester an die schönen Seiten des letzten Jahres zurückdenken. An die Erleichterung darüber zum Beispiel, dass die Impfung gegen Corona kam. Wie froh war ich, als mein fast 90jähriger Papa endlich Immunschutz hatte. Und wie froh war ich, als ich selbst geschützt war. Wie gut tat es diesen Sommer, Dinge, die ich lange vermisst hatte, wieder genießen zu können: in die Berge reisen und wandern. Mit den Neffen und der Familie drinnen am Tisch sitzen und zusammen Pizza essen. Ich glaube, es ging vielen Menschen so: Ich hab in diesem Jahr ganz besonders gemerkt, was mir wichtig ist und wofür ich dankbar bin.

Die schönen und die traurigen Seiten in Gottes Hände legen

Die schönen und die traurigen Seiten dieses Jahres – ich lege sie auch in Gottes Hände. Er ist für mich wirklich der König über Welt und Zeit. Ich kann ihm anvertrauen, was für mich am Ende dieses Kirchenjahres unvollendet bleibt. Für mich ist es tröstlich, das Jahr mit Gott zu beenden. Mit ihm die Knorken knallen zu lassen und auf seinen Segen zu vertrauen. Ich wünsch allen, die trauern, und allen, die sich freuen an diesem Wochenende: von Herzen Gottes Segen.

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