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Du bist einmalig!
Bildquelle: Rita E./Pixabay

Du bist einmalig!

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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Kürzlich wurde einer meiner Kollegen in den Ruhestand verabschiedet. Er war sehr beliebt. Niemand wollte ihn wirklich ziehen lassen. Und ob er selbst so richtig Lust auf seinen Ruhestand hatte, wage ich ein wenig zu bezweifeln.
Dann kam der Tag. Viele Gäste waren geladen, gute Worte wurden gesagt. Der Kollege bekam so viel Lob zugesprochen, wie wahrscheinlich in seiner gesamten beruflichen Laufbahn zusammengenommen nicht. Das muss man erst einmal aushalten! Zum Schluss war er dran, sich zu bedanken! Ich konnte es fast nicht fassen als er sagte: „Jeder Mensch ist ersetzbar!“ Was für ein Quatsch! Warum sagt er so etwas. Will er seine Erfolge runterspielen? Will er noch einmal das Gegenteil hören: „Du bist etwas ganz Besonderes?“
Ersetzbar wäre ein Mensch, wenn er nur ein Zahnrad einer großen Maschinerie wäre. Aber er ist nicht nur ein eine Arbeit verrichtendes Etwas, sondern ein Mensch, der seiner Tätigkeit mit seiner ihm eigenen Leidenschaft nachgeht. „In jedem Menschen ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist.“ So würde das Martin Buber sagen.
Ja, die Arbeit meines Kollegen wird in andere Hände gelegt. Sie geht weiter, aber ganz bestimmt nicht so wie vorher. Sie geht anders weiter. Ein anderes Individuum wird sich damit versuchen.
Kürzlich bekam ich eine Geburtsurkunde eines Mädchens, das in Neuseeland geboren wurde, zur Vorbereitung der Taufe vorgelegt. Darauf war der Fußabdruck des Kindes zu sehen. Das hat mich sehr berührt. Ja, es könnte auch ein Fingerabdruck sein, der die Einmaligkeit deutlich macht, aber solch ein Fußabdruck, das war für mich noch etwas Ungewöhnlicheres. Es ist nicht nur der Finger eines Menschen, der so ganz anders aussieht als die Finger aller anderen Menschen dieser Erde, sondern auch der Fuß. Ich bin überzeugt davon, dass der Körper und die Seele eines Menschen noch viel mehr einmalige Prägungen aufweisen als Hände oder Füße, die eine Art individuelle Unterschrift sind.
Für die Taufe hatte eine Patin übrigens noch Gedanken von Ruth Heil mitgebracht und im Gottesdienst vorgelesen: „Du bist etwas Besonderes. Als Gott dich schuf, legte er liebevoll ein Stück von sich selbst in dich hinein. Er wollte, dass Du einmalig bist.“
Niemand ist ersetzbar. Wenn Menschen kommen, ist das etwas ganz Besonderes. Wir begegnen Ihrer Einmaligkeit und dürfen gespannt sein wie sie sich äußert. Wenn Menschen gehen, bleibt eine Lücke, in der kein anderer Mensch nachwachsen kann. Und trotzdem tun sich an anderer Stelle wieder Neuanfänge auf. Gottes Möglichkeiten kommen durch andere Menschen zu Tage.

 

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