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Eheringe
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Eheringe

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Wenn ich im Bus oder in der S-Bahn sitze, betrachte ich gerne die Hände der Menschen, die mir gegenüber sitzen. Ich finde, Hände sagen viel über die Person aus: Sind sie alt und runzelig, tätowiert oder mit kunstvollen Nägeln dekoriert und einige tragen Schmuck.

Sehr häufig entdecke ich einen Ehering. Ich finde diese meist goldenen Ringe interessant und denke manchmal darüber nach, was dieser Ring wohl über die Ehe erzählen könnte, zu der er gehört. Von vielen meiner verheirateten Freundinnen und Familienangehörigen kenne ich die Geschichte ihrer Ringe. Oft sind sie sehr persönlich: Eine Freundin hat zum Beispiel ihre Ringe mit ihrem Mann selbst geschmiedet, weil sie überzeugt ist, dass man an einer Ehe arbeiten muss, damit sie hält. Eine andere Freundin hat das Gold der Verlobungs- und Eheringe ihrer Großeltern für ihre eigenen Eheringe einschmelzen lassen, weil die Großeltern lange und glücklich verheiratet waren.

Ich vermute, dass auf wenig andere Schmuckstücke so viel Sorgfalt bei der Auswahl verwendet wird. – Im besten Fall begleiten sie einen ja auch ein Leben lang.

So verschieden, wie die Geschichten und Schicksale der Paare sind, so viele unterschiedliche Eheringe gibt es zur Auswahl, und selbst die schlichten goldenen Reifen sind letztlich nicht alle gleich – es gibt sehr unterschiedliche Ausführungen.
Ich finde es wichtig, dass der Ehering passt – nicht nur an den Finger, sondern zu dem Menschen und zu dem Paar. Denn Eheringe sind ja mehr als ein Schmuckstück: Sie sind ein Symbol. Ein Ring hat keinen Anfang und kein Ende – er steht für die Unendlichkeit. Er soll darauf aufmerksam machen, dass Liebe unendlich ist. Leider nicht unbedingt die Liebe zwischen Mann und Frau – das haben viele schmerzhaft erlebt. Aber Christen glauben, dass Gott die Liebe ist und dass seine Liebe unendlich ist.

Wenn sich also zwei Menschen einen Ring an den Finger stecken und dazu sprechen: „Trag diesen Ring als Zeichen meiner Liebe und Treue!“, dann weisen sie damit auch darauf hin, dass es eine Liebe gibt, die niemals aufhört.

Mein Ehering ist nun schon fast zwanzig Jahre alt. Es war auch unser Verlobungsring, und inzwischen hat er schon einige Kratzer und Macken. Aber genau das macht ihn für mich so wertvoll: Er ist damit auch ein Zeichen, dass unsere Ehe schon ein paar anstrengende Zeiten und Herausforderungen hinter sich hat, aber immer noch stabil ist und oft sehr schön glänzt.

Auch daran muss ich manchmal denken, wenn ich in der S-Bahn den Leuten auf die Hände schaue: Wie schön es ist, dass es Ehen gibt, die lange Jahre halten, und wie schön, dass alte abgenutzte Eheringe ein Zeichen der Liebe und Treue sind.

Ich glaube auch, dass das, was sich das Brautpaar bei der Trauung verspricht, umso mehr von Gott getragen wird, umso schwieriger es im Leben wird. Ich vertraue darauf, dass Gott zu mir hält „in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit“ – sogar über den Tod hinaus. Dieses Versprechen gilt, auch wenn die Liebe zwischen zwei Menschen nicht ewig hält. Ich vertraue drauf:  auch, wenn eine Ehe scheitert, bleibt Gottes Liebe zu den Menschen bestehen – bis über den Tod hinaus.

 

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