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Der Mensch denkt, Gott lenkt
Bild: Jerzy Górecki/Pixabay

Der Mensch denkt, Gott lenkt

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt (Spr. 16,9). Dieses Bibelwort ist zu folgendem Sprichwort geworden: Der Mensch denkt, Gott lenkt.

So sagt auch eine Witwe zu mir. Sie und ihr Mann haben noch so viel vorgehabt. Aber dann stirbt ihr Ehemann überraschend.

Der Mensch denkt, Gott lenkt- was meint das?

Der Mensch denkt, Gott lenkt: Es sind vor allem ältere Gemeindeglieder, von denen ich das immer mal wieder höre. Sie blicken auf ihr Leben zurück und erzählen von Irrungen, Wirrungen und unerwarteten Wendungen. Ich höre daraus, dass sie sich in gewisser Weise Gott anvertraut haben- seinem Plan! Manchmal beeindruckt mich eine solche Frömmigkeit: Diese Menschen glauben: Des Menschen Herz kann nicht anders als denken und planen, beeinflussen kann es den eigenen Lebensweg aber nicht. Manchmal ärgert sie mich auch. Dann wäre ja das Denken und Planen völlig unnütz.

Das hebräische Wort für lenken schenkt neue Sichtweise

Vor kurzem habe ich in meiner hebräischen Bibel nachgeschaut, wie das hebräische Wort heißt, das Martin Luther mit "lenken" übersetzt hat. Es war ein Aha-Erlebnis! Ich fand das hebräische Wort "Kun". Es bedeutet "aufrecht, fest oder sicher stehen". Man könnte also auch übersetzen: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr macht seinen Schritt sicher und fest.

Das ist ein großer Unterschied. Denn es ist gut und richtig, über den eigenen Lebensweg nachzudenken. Es ist gut Pläne zu machen und Ziele zu haben. Es ist gut, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Wir sind nicht allein auf unserem Lebensweg

Und nicht unnütz. Aber es ist auch gut, zu wissen und zu erfahren, dass das Erreichen unserer Pläne und Ziele nicht allein von uns abhängt. Wir sind nicht allein. Da sind Freundinnen und Freunde, Familie, Arbeitskolleginnen und – kollegen und da ist Gott. Wir finden immer wieder auch Hilfe, werden getröstet und aufgerichtet, wenn unsere Pläne nicht aufgehen, wenn wir Niederlagen und Rückschläge erleben.

Gottes Name ist sowas wie ein Programm

Und noch etwas habe ich entdeckt: Gottes Name ist sowas wie ein Programm. Wo Luther vom Herrn spricht, steht im hebräischen Urtext "Ich bin da!" Ich bin da, wenn Du Dein Glück in die Welt hinausrufen möchtest und ich bin da, wenn Du traurig bist. Das macht mich zuversichtlich und stärkt meinen Glauben. Daran will ich mich halten: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber Gott, der bei Dir ist, macht seinen Schritt sicher und fest. Auch wenn dein Weg in eine Richtung geht, die nicht geplant war.

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