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Wenn – dann
Bild: Jäger/Privat

Wenn – dann

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Auf zwei Wörter könnte ich gern verzichten. Das eine Wort ist „wenn“, das andere „dann“. Eigentlich sind beide harmlos.

Wenn - dann - Meist eine logische Abfolge

Wenn es regnet, dann werde ich nass. Eine natürliche Folge. Wenn das eine passiert, dann kommt das andere. Ich fahre zu schnell, werde geblitzt und muss dann zahlen. Es geht ja nicht immer darum, was logisch folgt, wenn ich dies und das tue.

Es muss Regeln geben, die wir einhalten

Es muss ja auch Regeln geben, die wir im Täglichen einhalten. Wenn ich etwas bestelle, dann muss ich das auch bezahlen. Und wenn jemand das nicht einhält, dann gibt es immer noch Verfahren und Gerichte, die das klären können. Für die Geschäftswelt ist wenn-dann wichtig. Auch für das Zusammenleben im Land. Ganz zu schweigen von der internationalen Politik und der Diplomatie.

Wenn - dann - Abschaffen fürs Private

Abschaffen möchte ich wenn-dann fürs Private. Wenn der sich so verhält…, wenn die mir nochmal so komisch kommt… Ja, was dann? Ist dann Schluss? Sind wir dann fertig miteinander? Es hat etwas Gnadenloses, so miteinander umzugehen. Und das finde ich furchtbar.

Schnell wird aus "wenn - dann" eine Drohung

Klar, ich habe auch Erwartungen an die Menschen um mich. Ich will nicht beleidigt, nicht ausgelacht werden. Ich will geachtet und von einigen auch geliebt werden. Ich stelle auch manchmal Bedingungen. In Corona-Zeiten war das für mich lebenswichtig, dass mein Gegenüber eine Maske trägt und Abstand hält. Aber wie schnell wird aus dem wenn-dann eine Drohung. Wenn die das noch einmal macht, dann… Ja, was dann? Dann muss ein deutliches „Stopp“ kommen: So nicht, nicht mit mir. Ich ziehe eine Grenze. Dann zeige ich, dass ich nicht alles mit mir machen lasse. Und wenn ich dann an so einem Punkt bin, dann … kommt oft noch ein So! Das hast du davon. Damit es die andere auch wirklich merkt. Sowas wie eine Strafe. Das Irrwitzigste ist dann der Kontaktabbruch: Mit der rede ich kein Wort mehr.

Wie ist das mit dem „wenn-dann“ im christlichen Glauben?

Und wie ist das mit dem wenn-dann im christlichen Glauben? Wenn du nur genug betest, dann… Wenn du nur fest genug glaubst, dann… Ja, was dann? Klar hat Gott Erwartungen an uns Menschen. Dass wir das Leben schützen und nicht zerstören. Klar stellt Gott Bedingungen. Lebe mit deiner begrenzten Kraft und mit deiner begrenzten Zeit.

Wenn-dann- geht mit Gott nicht

Aber wenn-dann geht mit Gott nicht. Gott droht nicht, und er bricht den Kontakt nicht ab, auch dann nicht, wenn ihm etwas nicht passt. Gott bleibt dran, an uns, an mir und an Ihnen.

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