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Gaffen geht gar nicht!
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Gaffen geht gar nicht!

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Moderator/Moderatorin: Sie verursachen Staus und Folgeunfälle auf der Autobahn und behindern Rettungskräfte: Gaffer. Die Bundesregierung hat dazu einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht: Wer bei Verkehrsunfällen Aufnahmen von Opfern macht, muss künftig mit einer Strafe von bis zu zwei Jahren Gefängnis rechnen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sagt: „Es soll jetzt ein Signal sein: das ist eine Straftat“. Sie fordert Respekt vor Menschen in Not und vor ihren Angehörigen. Gedanken dazu von Pfarrer Peter Kristen aus Limeshain.

Respekt vor meinen Mitmenschen. Wer ist das denn eigentlich, mein Mitmensch? Als Jesus das einmal gefragt wurde, hat er eine Geschichte erzählt:

Hinschauen und Helfen

In einem engen Wüstental zwischen Jerusalem und Jericho ist ein Mensch überfallen worden und ausgeraubt. Halbtot und nackt liegt er im Staub. Da kommt ein Priester das Tal herunter auf seinem Weg nach Hause von der Arbeit im Tempel. Er sieht den Verletzten und geht vorbei. Genauso ein anderer, eigentlich frommer Mann.

Der nächste auf dem Weg ist dann ein Mann aus Samaria. Auch er schaut hin - und fühlt mit ihm. Er reinigt und verbindet seine Wunden, bringt ihn in Sicherheit und sorgt dafür, dass er weiter gepflegt wird.

Klar, es war der Samariter, der dem Verletzten als Mitmensch begegnet ist.

„Dann geh und mach es genauso“, sagt Jesus.

Mitgefühl zeigen

Es ist dieses besondere Gefühl in der Magengegend, das den Samariter auszeichnet und von den anderen unterscheidet: Mitgefühl. „Es jammerte ihn“, hat Luther übersetzt. Er fühlt mit, sagen wir heute. Was er tut, wird von dem bestimmt, was er da im Bauch fühlt.

Hinschauen ist gut, aber wo fängt Gaffen an? Gaffer schauen auch hin, aber sie wollen oft gar nicht helfen, sie stehen im Weg oder gefährden andere. Mehr als das Mitgefühl mit dem Verletzten bewegt sie die aufregende Situation am Unfallort, sie sind abgestoßen und fasziniert zugleich.

Gaffen und falsche Aufmerksamkeit

Und dann multiplizieren sie ihr Gaffen, indem sie die Szene fotografieren oder filmen und für andere posten, für Likes oder ein bisschen Aufmerksamkeit.

Hinschauen ist wichtig, aber dann ist es gut, wenn mich das Mitgefühl im Bauch zu einem respektvollen und mitmenschlichen Handeln leitet: Warnblinker, Rettungsgasse, Notruf, Erste Hilfe.

Und wenn die Profis schon da sind, aufmerksam weiterfahren, wenn es geht.

Den meisten sagt das ihr Bauchgefühl. Aber auch für die, die erst ein Gesetz und Strafen dafür brauchen, gilt: „Geh und mach es genau so.“

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