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Männlich, weiblich, divers
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Männlich, weiblich, divers

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Priester müssen in der katholischen Kirche noch immer männlich sein. Viele anderen Stellen werden inzwischen aber auch in der Kirche für männliche, weibliche und diverse Bewerber*innen ausgeschrieben. Ob das nicht ein bisschen übertrieben sei, fragte ein Kollege. Wie viele diverse Menschen sich da wohl bewerben würden, er kenne da niemanden.

Ja, wir wissen, dass es euch gibt

Ich musste ihm widersprechen. Schon allein wegen meines Patenkindes. Für sie, beziehungsweise ihn, korrekt heißt es „they“, ist Kirche schon lange kein Thema mehr. So ein „d“ in der Ausschreibung zeigt aber: ja, wir wissen, dass es euch gibt, und nein, wir lehnen euch nicht wegen eures Geschlechts ab. Und deshalb finde ich diese Art der Ausschreibung richtig und wichtig.

So, als hätte sich meine Welt geweitet

Vor ungefähr zwanzig Jahren, als solche Gender-Themen noch nicht in aller Munde waren, war es ein Film, der großen Eindruck bei mir hinterlassen hat: „Alles über meine Mutter“ von Pedro Almodovar. Es ging in dem Film unter anderem um die Suche nach einem Mann, der inzwischen eine Transfrau war, und um ein ganzes Gewirr von Beziehungen: Für mich eine andere, mir fremde Welt. Ich weiß noch, dass mich der Film etwas durcheinander gebracht hat, und ich erinnere mich noch sehr genau an das Gefühl: Du kommst jetzt deutlich offener und toleranter aus dem Kino raus, als du vor knapp zwei Stunden rein gegangen bist. Und ich weiß noch, dass mich das Gefühl damals glücklich gemacht hat. So als hätte sich meine Welt geweitet.

Das Gefühl, nicht dazu zu gehören

Ähnliche Erfahrungen kenne ich aus meiner Zeit im Ausland. Es hilft mir, dass ich weiß, wie es sich anfühlt, Heimweh zu haben oder wie anstrengend es ist, bei Gesprächen nur einen Bruchteil zu verstehen – und dabei habe ich meine Auslandsaufenthalte doch immer selbst gewählt.

Das Gefühl, aufgenommen und angenommen zu werden

Ich bin froh, dass die meisten von uns ganz selbstverständlich mit Nachbarskindern aufgewachsen sind, deren Eltern aus anderen Ländern stammten, heute sagen wir, mit Migrationshintergrund. Und ich schätze es, wenn sich ältere Menschen an die eigenen Kindheitserfahrungen aus der Zeit nach dem Krieg erinnern, die Zeit der Vertreibung und der Flucht – und daran, wie wichtig es damals war, aufgenommen und angenommen zu werden, oder auch, wie schmerzhaft sich die Ablehnung angefühlt hat.

Wenn das Herz sich öffnet und der Horizont sich weitet

Solche Erinnerungen und Erfahrungen können davor bewahren, Menschen, die mir heute fremd oder anders vorkommen, als Bedrohung wahrzunehmen. Es sind Menschen. Punkt. Ist das nicht fantastisch: Wenn durch eigene Lebenserfahrung, durch Begegnungen oder auch durch Erzählungen und Filme sich der Horizont weitet, der Verstand sich interessiert und das Herz sich öffnet?

Zu enge, lebensfeindliche Schubladen nicht mehr öffnen

Ich sehe solche Veränderung und Weitung bei mir selbst und in meinem Umfeld, im Freundeskreis oder der Familie. Allzu enge, manchmal ziemlich lebensfeindliche Schubladen und Regeln verlieren an Bedeutung, auch kirchlich-religiöse. 

Gott liebt jeden Menschen so, wie er ist

Ja, tatsächlich: Ich sehe eine langsame, hoffnungsvolle Öffnung auch in der Kirche. Zumindest immer wieder. Und ich bin davon überzeugt: Das ist der richtige Weg. Und zwar nicht, weil es mir so passt und gefällt, sondern weil Gott, an den oder die ich glaube, Mensch wurde, in Jesus. Und weil ich überzeugt bin: Gott ist nichts Menschliches fremd. Und Gott liebt jeden Menschen.

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