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Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel
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Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Prof. Dieter Wagner
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Prof. Dieter Wagner,

Oberschulrat i. K. i. R., Künzell
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Mitten im August feiert die katholische Kirche ein Sommerfest. Es strahlt Lebensfreude aus und duftet nach Blumen und Kräutern. Es ist ein Fest der Fülle und Vollendung, ein sinnliches Fest. Volkstümlich wird es „Mariä Himmelfahrt“ genannt.
Warum das Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ mit geweihten Kräutern in Verbindung steht, lässt sich nur vermuten. Jedenfalls wird der Brauch der Kräuterweihe bereits in einem Rechtsbuch des 13. Jahrhunderts belegt. Mit Gottes Hilfe sollen die Kräfte der Natur zugunsten von Mensch und Tier eingesetzt werden. Um Mensch und Vieh vor Krankheit und Haus und Hof vor Blitz und Ungewitter zu schützen, wurden die geweihten Kräuter sowohl unter dem Dachfirst als auch am Sturz der Stalltür angebracht.
Im Neuen Testament findet sich kein Hinweis auf die Himmelfahrt Mariens. Dennoch ist das Hochfest das älteste Marienfest in der römischen Kirche. Allerdings wird der kirchliche Lehrsatz von der „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ erst 1950 zum Dogma erklärt. Mit diesem Dogma weist die Kirche auf die Ganzheitlichkeit des Menschen von Körper und Seele hin. Leibfeindlichkeit kam und kommt in der Geschichte des Christentums immer wieder vor. Leibfeindlichkeit ist nicht nur ein Irrtum, sondern eine Häresie. Daran ändert auch nichts, wenn manche meinen, besonders fromm zu sein, wenn sie leibfeindlich sind.
Die Bibel sieht übrigens im Leib ganz einfach die Weise, wie Menschen in der Welt sind. Denn dieser Leib ist es, durch den Menschen mit anderen leben: essen, trinken, sprechen, schauen, berühren, verletzen und heilen. All das sind Vorgänge, durch die der von Gott beseelte Leib Beziehung zu anderen hat. Vor allem aber: Gott selbst hat diesen Leib angenommen, um Menschen menschlich zu begegnen. Deshalb ist dieses Dogma von der leiblichen Auffahrt Mariens in den Himmel theologisch so bedeutsam.
Keine Philosophie, keine Religion außerhalb des Christentums misst dem Leib eine so andauernde Bedeutung bei und verheißt ihm eine solche zukünftige Verherrlichung durch seine Nähe bei Gott. Für die Kirche ist der Leib kein Gefängnis der Seele. Vielmehr glaubt die Kirche an die Einheit von Leib und Seele.
Das Fest der „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ lässt meinen Glauben sinnlicher werden. Es erinnert mich daran, dass Beten und Singen nicht abgehoben sein müssen von dem, was mein Leben ausmacht. Es erinnert mich daran, dass der Glaube zuerst und zutiefst Begegnung ist: Begegnung miteinander bis hin zur Begegnung mit Gott – und zwar in und mit meinem Leibe.

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