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Ein Haus am Buckel
Bild: Stanly8853/Pixabay

Ein Haus am Buckel

Jens Haupt
Ein Beitrag von Jens Haupt, Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Ein Haus am Buckel, ein sehr passender Titel für eine Fernsehreihe. Es geht um Menschen, die ihr Haus loswerden wollen oder müssen und damit überfordert sind.

So auch Annette, Ende 50, zwei Töchter, beide aus dem Haus. Ihr Mann ist schon vor längerer Zeit aus ihrem Leben verschwunden. Annette macht gerade die zweite Chemo. Das Haus ist ihr zu groß geworden und eine zusätzliche Last, nicht zuletzt durch restliche Schulden. Die Fernsehdoku „Ein Haus am Buckel“ schickt eine Maklerin und einen Innenarchitekten zu Annette. Beide haben zuerst keine guten Nachrichten: Der erhoffte Kaufpreis ist zu hoch. Und man kann das Haus im jetzigen Zustand nicht gut präsentieren.

Der Innenarchitekt will hellere Räume, andere Lampen, neue Farben und natürlich entrümpeln. Das soll aber keine Fachfirma machen. Jetzt sind Freunde, Nachbarn, Verwandte gefragt zuzupacken. 2 Tage Zeit gibt das Fernsehteam. Dann sollen die ersten Interessenten durchs Haus gehen können.

Die Hausbesitzerin Annette hat Stress. Sie selbst kann nicht zupacken. Sie weiß nicht, wie das alles gehen soll. Ein älterer Nachbar ist bereit zu helfen, ihre Töchter natürlich auch. Freunde haben abgesagt zu helfen. Es sind zu wenige. Mit einem Facebook-Aufruf haben Annettes Töchter mehr Glück. Am zweiten Tag kommen Arbeitskolleginnen und -kollegen und ihre halbe Fußballmannschaft. Sie streichen Fenster, schleppen Sperrmüll und entfernen Teppichboden. Das Haus strahlt in neuem Glanz. Und Annette strahlt auch.

Noch ist das Haus längst nicht verkauft, das kann ein halbes Jahr dauern. Aber sie ist erleichtert, das Haus bald nicht mehr am Buckel zu haben, wenn die nächste Chemo kommt oder ihre Krankheit sich insgesamt verschlechtert.

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Das geht immer, wenn viele mittragen, Lasten verteilen, Ideen haben und zupacken. 

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