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Frauenprotest und päpstliches Schreiben
Bildquelle: Aktion 2.0

Frauenprotest und päpstliches Schreiben

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Ob der Papst das Schreiben der Frauen gelesen hat? Im Februar hatten sie ihm nach Rom geschrieben, die Frauen der Aktion „Maria 2.0“. Es ging ihnen um den Missbrauch in der katholischen Kirche und um den Zugang von Frauen zu Ämtern in der Kirche. Und die Frauen haben einen Kirchenstreik angekündigt: Heute, am 11. Mai, geht er los. Überall in der Republik werden eine Woche lang katholische Frauen vor den Kirchentüren und vor den Gemeindehäusern bleiben. Sie legen ihre ehrenamtliche Arbeit nieder: Büchereien werden geschlossen bleiben, Frauen werden fehlen als Messdienerin oder Lektorin und in Sitzungen und Ausschüssen der Gemeinde, bei der Flüchtlingshilfe und der Taufvorbereitung. Vermutlich wird sich mancher wundern, was alles nicht mehr geht, wenn die Frauen in der katholischen Kirche streiken.

Und wer weiß: Vielleicht hat auch Papst Franziskus Respekt vor solch einem Protest und der Meinung der Frauen. Zwei Tage vor dem Streik hat er ein Schreiben geschickt, allerdings nicht nur an die Frauen von „Maria 2.0“, sondern an die Gläubigen und Bischöfe der ganzen Welt. Aber ein bisschen Antwort auf die viele Kritik der letzten Monate ist es wohl auch: Der Papst regelt den rechtlichen Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche neu. Jeder Verdachtsfall muss jetzt gemeldet werden, eine Pflicht wird das, und zwar nicht nur eine moralische, sondern eine gesetzliche. Es müssen auch Anlaufstellen in den Bistümern eingerichtet werden, bei denen die Meldungen eingehen können. Und im Schreiben stehen so Sätze drin wie: „Wer eine Meldung erstattet, dem kann kein Schweigegebot auferlegt werden.“ Ich glaube wirklich: Dem Papst ist es ernst mit dem Kampf gegen das Verbrechen des Missbrauchs und seiner Vertuschung.

Und trotzdem gibt es noch genug Grund zu streiken. Denn Missbrauch und Vertuschung, das hat ja letztes Jahr die Studie der deutschen Bischöfe gezeigt, die haben auch systemische Gründe. Sie haben zu tun mit Machtstrukturen und Sexualmoral - und nicht zuletzt damit, dass Frauen in der katholischen Kirche zu wenig Amt und Einfluss haben. Weniger Männerbünde, mehr Frauenbeteiligung – das braucht meine katholische Kirche. Und dafür lohnt es sich, finde ich, auch mal zu streiken.

 

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